Schwangere storniert Reise

Reiserecht

  • Lesedauer: 1 Min.

Eine Münchner Familie buchte im Februar 2011 eine Reise nach Griechenland - mit Reiserücktrittsversicherung. Zu diesem Zeitpunkt wusste die Frau, dass sie schwanger war. Der Urlaub sollte erst im Mai stattfinden - lange vor dem Geburtstermin.

Ende April traten bei der Frau plötzlich vorzeitige Wehen auf. Die Frauenärztin riet ihr, besser zu Hause zu bleiben. Daraufhin sagte das Ehepaar die Reise ab. Doch die Versicherung. weigerte sich, die Stornokosten von 2535 Euro zu übernehmen. Begründung: Man habe schon bei der Buchung der Reise gewusst, dass die Frau schwanger war. Versicherungsschutz bestehe nur für eine »unerwartete schwere Erkrankung«. Das Ehepaar berief sich darauf, dass niemand die Komplikationen der Schwangerschaft habe vorhersehen können.

Das Amtsgericht München (Urteil vom 3. April 2012, Az. 224 C 32365/11) erklärte die Stornierung der Reise für berechtigt. Zweifellos sei die Schwangerschaft im Februar 2011 bekannt gewesen. Aber eine Schwangerschaft sei keine Krankheit. Verlaufe sie komplikationslos, beständen gegen einen Auslandsurlaub keine Bedenken. Wenn aber urplötzlich Komplikationen aufträten (und vorzeitige Wehen seien eine schwere Komplikation), läge der Fall anders. Das sei sehr wohl als »unerwartete schwere Erkrankung« im Sinne der Versicherungsbedingungen einzustufen.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -