Erneut Auffälligkeiten bei Organvergabe
Eine Sonderprüfung in München löst Diskussion um Kontrollen aus
München (dpa/nd). Der Skandal um Manipulationen bei der Organvergabe könnte sich ausweiten. Am Münchner Krankenhaus Rechts der Isar stellten Prüfer Auffälligkeiten bei der Organvergabe fest. Das bayerische Wissenschaftsministerium sieht allerdings keinen Verdacht auf aktive Manipulationen bei Lebertransplantationen im dortigen Transplantationszentrum.
Das Krankenhaus habe vor einem Monat sieben Fälle an das Ministerium gemeldet, sagte ein Sprecher von Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) am Donnerstag auf Anfrage. Dabei habe es »Auffälligkeiten« gegeben, aber nach bisherigem Stand keine absichtliche Manipulation von Patientendaten. Das Krankenhaus habe die Fälle auf Anweisung des Ministeriums an die Bundesärztekammer und die Münchner Staatsanwaltschaft zur Überprüfung gemeldet.
Am Mittwochabend hatte die Bundesärztekammer in Berlin mitgeteilt: »Für das Münchner Zentrum im Klinikum Rechts der Isar bedurfte es der Einleitung einer Sonderprüfung, da hier mehrere Auffälligkeiten bestehen.« Ärztekammerpräsident Frank-Ulrich Montgomery sagte am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk: »Es geht in etwa in die Richtung wie in Göttingen und Regensburg.« Dort soll ein Oberarzt die Labordaten seiner Patienten gefälscht haben, damit diese schneller eine neue Leber bekamen.
Montgomery kritisierte zugleich die bayerischen Behörden: »Mich irritiert sehr, dass aus der bayerischen Staatsregierung vor einiger Zeit vermeldet worden war, dass man die bayerischen Programme überprüft und nichts gefunden habe.« Die neuen Auffälligkeiten zeigten einmal mehr, dass eine unabhängige Kommission der Selbstverwaltung wahrscheinlich »genauer und besser« prüfe. Montgomery lehnt jedoch eine Verschärfung der staatliche Kontrollen ab, wie sie nach der Aufdeckung der mutmaßlichen Transplantationen in Göttingen und Regensburg von vielen Politikern gefordert wurde.
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