Feuer frei auf Krankenhäuser
Bereits zwei Drittel aller Kliniken in Syrien sind bei Kämpfen beschädigt worden
Genf/Damaskus (epd/nd). Rund zwei Drittel aller Kliniken in Syrien seien durch Kampfhandlungen im Bürgerkrieg beschädigt worden, ein Teil von ihnen schwer, erklärte die WHO am Montag in Genf.
Rund 30 Prozent der betroffenen Einrichtungen hätten die Versorgung von Patienten völlig eingestellt, hieß es. Zudem seien viele Ambulanzfahrzeuge durch Angriffe schwer beschädigt und nicht mehr einsatzfähig. Die Zerstörungen hätten die flächendeckende Gesundheitsversorgung zum Erliegen gebracht, viele Verletzte des Konfliktes erhielten keine Behandlung mehr. Die Assad-Regierung und die Rebellen müssten allen Verwundeten einen sicheren Zugang zu Krankenhäusern gewähren, forderte die WHO. Die Konfliktparteien müssten zudem jeglichen Beschuss von Gesundheitseinrichtungen stoppen sowie die Lieferung von Medikamenten sicherstellen. Auch dürfe medizinisches Personal nicht angegriffen werden.
Die WHO vermied es, die Regierung von Präsident Baschar al-Assad direkt für die Angriffe zu verurteilen. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte betont jedoch, dass die Assad-Truppen für die meisten Attacken auf medizinische Einrichtungen und Krankenwagen verantwortlich seien. Die Angriffe seien in der Regel gezielt. Jegliche medizinische Hilfe für Rebellen solle damit unterbunden werden.
Unterdessen droht den Vereinten Nationen bei der Hilfe für Flüchtlinge und Zivilisten in Syrien das Geld auszugehen. Die beiden Programme für die Menschen in dem Bürgerkriegsland und die Flüchtlinge in den Nachbarstaaten seien weit unterfinanziert, hieß es am Montag aus dem Büro von UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos in New York.
So hätten die 193 Mitgliedsstaaten für die Hilfe innerhalb Syriens erst 139 der benötigten 348 Millionen Dollar gesammelt. Das sind 40 Prozent. Für die Flüchtlinge außerhalb Syriens kamen nicht einmal 29 Prozent der nötigen Gelder zusammen. Statt der erbetenen 488 Millionen seien bislang nur 142 Millionen Dollar gekommen. Die Zahlen haben sich in den vergangenen zwei Wochen kaum verändert. Die Spendenaufrufe sind offizielle UN-Appelle, jedoch nicht bindend.
Die Zahl der Flüchtlinge in den Nachbarländern sei in den vergangenen zwei Wochen von gut 300 000 auf mehr als 340 000 gestiegen. Von den 22 Millionen Syrern seien 1,2 Millionen Menschen Flüchtlinge im eigenen Land, insgesamt 2,5 Millionen seien auf Hilfe von außen angewiesen.
Die Türkei hat binnen weniger Tage zum zweiten Mal ein Passagierflugzeug auf dem Weg nach Syrien gestoppt, um angebliche Waffenlieferungen an Damaskus zu unterbinden. Das in der armenischen Hauptstadt Jerewan mit Ziel Aleppo gestartete Flugzeug durfte nach einer Überprüfung der Ladung auf dem türkischen Flughafen Erzurum weiterfliegen
Der Syrien-Vermittler der Vereinten Nationen, Lakhdar Brahimi, bemühte sich, die Unterstützer von Präsident Assad zu einem Kurswechsel zu bewegen. Am Montag sprach der algerische Diplomat in Bagdad mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Am Sonntag hatte er die iranische Führung um Hilfe bei der Durchsetzung einer Waffenruhe in Syrien gebeten.
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