Netanjahu abgestraft
Roland Etzel über den Wahlausgang in Israel
Kein israelischer Wahlkampf war derart amerikanisiert wie dieser. Gesichter statt Gedanken, hieß die unausgesprochene Devise. Das Ergebnis ist nun im Wortsinne zu besichtigen. Galt Ministerpräsident Netanjahu bisher selbst auch als Landesmeister im Fach Selbstinszenierung, so stahlen ihm diesmal andere die Show. Die Parteien seiner Regierungskoalition rutschten ins Minus, für die einst Israel prägenden Sozialdemokraten von der Arbeitspartei gilt es schon als Erfolg, überhaupt noch in nennenswerter Stärke in der Knesset Platz nehmen zu dürfen.
In den Schatten gestellt sehen sich die bisherigen Lagerführer von politischen Neueinsteigern, die ihren Dunstkreis einfach Partei nannten, auf einen kryptischen Namen tauften und sich unter die irritierten Platzhirsche drängten; mit viel Provokation und wenig Programm, aber beachtlichem Erfolg: weil sie auf offene Ohren trafen. Weil die Israelis endlich Antworten auf ihre Frage hören wollten, was gegen die soziale Schieflage getan wird. Jetzt, nicht irgendwann. Den trickreichen Vertröstungen Netanjahus vertrauten deshalb weit wenigerMenschen als noch letztes Jahr vorausgesagt. Der permanente Verweis auf die Teufel in Teheran wurde nicht als Entschuldigung alltäglicher Grausamkeiten akzeptiert.
Und wer hat von Verhandlungen mit den Palästinensern geredet? Keiner der Protagonisten; und wenn, dann nicht in einer Weise, die Aussicht auf Frieden verhieße. Sie werden sich dem dennoch stellen müssen.
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