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Verspielter
Marius Vollert ist Jungunternehmer und Gesellschaftssatiriker
Da sage noch jemand, Unternehmer hätten kein soziales Gewissen. Marius Follert, 24 Jahre jung, ist einer von zwei Geschäftsführern bei Farbflut Entertainment, und gerade hat er mit der Untergrund-Kampagne »Initiative Sauberes Hamburg« für Furore gesorgt. Auf einer Internetseite machte die (erfundene) Initiative gegen Obdachlose Stimmung und lobte dabei die in Hamburg allein regierenden Sozialdemokraten: »Die SPD geht mit gutem Beispiel voran! In einer Kooperation mit der Bahn werden seit Oktober Obdachlose und Zeitungsverkäufer endlich aus dem Hauptbahnhof vertrieben.« Zugleich nutzte die angebliche Initiative auch Teile des offiziellen Stadtlogos und die dazu verwendeten Farben.
Die Empörung ließ nicht lange auf sich warten. Bei der Staatsanwaltschaft ging eine Anzeige ein - Verdacht auf Volksverhetzung. Der Senat nahm Stellung und distanzierte sich von dem Treiben angeblich »besorgter Bürger«. Schnell verkündete auf Facebook eine Gegeninitiative entschiedenen Protest gegen die vorgeblichen Saubermänner. Doch auch die war von Farbflut Entertainment ins Leben gerufen worden - mit vollem Erfolg. Viele Internetnutzer schlossen sich der Empörung der Gegen-Ini an und protestierten gegen die Ausgrenzung Obdachloser.
»Ich finde es erst mal schön, dass niemand die Aktion befürwortet hat«, freut sich Spieleentwickler Follert. Es habe zwar zustimmende Zuschriften gegeben, die den satirischen Charakter der Aktion aber erkannt hätten. Bekannt wurde Farbflut Entertainment 2008 durch ein Online-Spiel mit dem Titel »Pennergame«. Follert: »Man schlüpft bei dem Spiel in die Rolle eines Obdachlosen und arbeitet sich über verschiedene Stufen bis zum Schlossbesitzer.« The Winner takes it all.
Das Unternehmen, so Follert, unterstützt in Hamburg seit Jahren finanziell das Obdachlosen-»CaFée mit Herz« auf St. Pauli und die Ini »Pfand gehört daneben«. Man habe bei der Aktion Sauberes Hamburg nichts erfunden, betont der Spieleentwickler: »Wir haben lediglich das Vorgehen der Stadt Hamburg scheinbar befürwortet und überspitzt.«
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