Papam celebrata
Sarah Liebigt über die Papst-Wahl und die Medien
Etwa vier Millionen Menschen guckten kürzlich einen Spielfilm über einen wegen Plagiatsvorwürfen zurückgetretenen Minister, zwölf Millionen sahen den Til-Schweiger-Tatort und 28 Millionen schauten vor ein paar Jahren ein Fußballspiel zwischen Deutschland und Italien. Schummelnde Politiker, ein »Keinmimik-Star« und Ballgekicke: Nie würden die Öffentlich-Rechtlichen auf allen Kanälen beste Sendeplätze gleichzeitig und über viele Stunden bespielen mit einem dieser für Deutschland ach so relevanten Themen. Doch am Mittwochabend widmeten sich sämtliche Sender via Liveschaltung und Sonderberichterstattung der völlig überraschenden Wahl eines alten, weißen Mannes. Das Zweite konnte grade eben noch rechtzeitig zum anderen Topthema Fußball umschalten. Topmeldung am nächsten Morgen: Man betet.
In der EU begräbt die Wirtschaftskrise grade die Zukunft der Jugend, Gorbatschow glaubt an Merkels Wiederwahl, eine menschenfeindliche Partei soll endlich verboten werden und in Berlin ist ein Schneemann umgefallen. Aber die Fernsehwelt hat stillzustehen, weil ein Mann ab sofort Franziskus heißt und an die Spitze einer überholten, konservativen Institution gewählt wurde, der immer mehr Menschen immer weniger Einfluss wünschen. Es gibt - auf dem Papier - 24,6 Millionen Katholiken in Deutschland, Anhänger nur einer von etwa 80 Konfessionen. Mindestens 30 Millionen glauben an gar nichts. Hoffentlich gehen letztere nun beten. Für eine Trennung von Kirche und TV.
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