Koalition schiebt Gleichstellung auf die lange Bank

Gruppenantrag zu Homo-Ehe könnte Votum erzwingen

  • Lesedauer: 2 Min.

Berlin (nd). Die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe wird zum Regierungskrimi in Berlin. In dieser Legislaturperiode werde es wohl keinen Gesetzentwurf der Koalition mehr geben, zeigte sich Unionsfraktionschef Volker Kauder am Donnerstag nach Agenturmeldungen überzeugt. Bei der Beratung mehrerer Anträge am Donnerstag im Bundestag kritisierte die Opposition von SPD, Linkspartei und Grünen vorwurfsvoll, dass die Umsetzung eines grundgesetzlich garantierten Rechts von gleichgeschlechtlichen Partnern behindert werde.

Obwohl sich die Stimmen der Befürworter auch einer steuerlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften selbst in der CDU mehren, hatte sich die Union darauf geeinigt, eine nächste Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts abzuwarten. Das Urteil wird im Sommer erwartet. Erst vor wenigen Tagen hatten die Karlsruher Richter klargestellt, dass Partner in einer sogenannten Homo-Ehe das zuvor vom anderen bereits adoptierte Kind ebenfalls adoptieren dürfen - die Bundesregierung muss entsprechende Gesetzesschritte einleiten. Dies wäre damit in die nächste Legislaturperiode vertagt.

Ein Gruppenantrag über Fraktionsgrenzen hinweg könnte der Union eine herbe Niederlage bereiten. Der FDP-Politiker Michael Kauch meinte gegenüber dpa zwar, ein Ergebnis in der Koalition habe Vorrang. Wenn dies nicht gelinge, »muss man über einen von CDU- und FDP-Abgeordneten initiierten Gruppenantrag nachdenken«.

Für Empörung bei der Opposition sorgte eine Entscheidung der Koalition im Rechtsausschuss des Bundestags vom Mittwoch. Ein bereits 2010 eingebrachter Antrag der Grünen zur Gleichstellung von Homo-Paaren im Adoptionsrecht wurde ohne Begründung vertagt. So wurde eine für Donnerstag geplante namentliche Abstimmung und die damit drohende Niederlage der Union verhindert.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.