Ermittlungen gegen große Gruppe mutmaßlicher NS-Schergen
68 Jahre nach Kriegsende: Frühere KZ-Aufseher des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im Visier der Fahnder
Berlin (nd). Bundesrepublikanische Fahnder sind fast 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs einer großen Gruppe mutmaßlicher NS-Verbrecher auf der Spur. Wie die Zeitungen der WAZ-Gruppe berichten, werde die Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg demnächst Vorermittlungen gegen 50 frühere KZ-Aufseher des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau einleiten. Der Vorwurf lautet auf Beihilfe zum Mord.
Wie das Blatt weiter berichtet, liegen den Ermittlern Namen und Anschriften der Tatverdächtigen vor. Die mutmaßlichen früheren Nazi-Schergen lebten über die ganze Bundesrepublik verteilt, bestätigte der Leitende Oberstaatsanwalt Kurt Schrimm, die Personen seien im Alter um 90 Jahre. Schrimm hält es seit dem Urteil gegen John Demjanjuk, der Wachmann im Lager Sobibor war, für aussichtsreich, auch gegen KZ-Aufseher Prozesse zu führen - selbst, wenn ihnen unter anderem aus Mangel an Zeugen keine direkte Tatbeteiligung nachgewiesen werden kann. D
Demjanjuk war vor zwei Jahren wegen Beihilfe zum Mord in 20.000 Fällen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. „Der Angeklagte war Teil der Vernichtungsmaschinerie“, hieß es dazu in der Urteilsbegründung des Landgerichts München. Anders als früher reiche seit diesem Spruch „jede Tätigkeit in einem Konzentrationslager aus, um wegen der Beihilfe zum Mord zu verurteilen“, zitieren die WAZ-Zeitungen Schrimm.
Das Lager Auschwitz-Birkenau im besetzten Polen war zwischen 1942 und 1945 das größte deutsche Vernichtungslager. Hier brachten die Nazis 900.000 Juden in den Gaskammern um. Weitere 200.000 starben bei Hinrichtungen durch die SS oder durch Hunger, Entbehrungen und Krankheiten. Vor fast genau 50 Jahren, am 16. April 1963, wurde die erste Anklage gegen Verantwortliche des Lagers erhoben.
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