Belgrader Dilemma

Detlef D. Pries über die Entscheidung der Regierung Serbiens zum Norden des Kosovo

  • Detlef D. Pries
  • Lesedauer: 2 Min.

Bis heute hatte die EU der Regierung Serbiens Zeit für die Entscheidung eingeräumt, ob sie dem Plan für das kleine, von rund 40 000 Serben besiedelte Gebiet im Norden Kosovos zustimmt. Einzelheiten des Vorschlags sind nicht bekannt, wohl aber die Worte, mit denen Kosovo-Premier Hashim Thaci vor einer Woche in die vorerst letzte Runde der Gespräche in Brüssel ging: »Wir sind zum Dialog bereit, aber unsere Position werden wir nicht ändern.« Das war die Absage an jeden Kompromiss: Die Serben in Nordkosovo sollen sich Thacis Regierung in Priština unterordnen, großzügige Autonomie wird nicht gewährt.

Dagegen wehren sich sowohl die Betroffenen als auch die Regierung in Belgrad. Allerdings sieht sich Serbien durch Thacis EU-Paten vor ein Ultimatum gestellt: Entweder sie akzeptiert den Vorschlag oder der Weg zu Verhandlungen über Serbiens EU-Beitritt bleibt versperrt. Ein dringenderes Bedürfnis, als endlich ein Datum für den Beginn von Aufnahmegesprächen zugeteilt zu bekommen, scheint es in Serbien indes nicht zu geben. Ohne »das Datum« drohe die wirtschaftliche Katastrophe, heißt es. Andererseits käme die Zustimmung zum Kosovo-Plan einer Kapitulation gleich. Hatte Belgrad doch stets beteuert, nie werde man die Landsleute in Kosovo im Stich lassen. Wie soll man denen auch erklären, dass ihnen zuzumuten ist, wogegen sich Kosovos Albaner mit Gewalt und NATO-Unterstützung auflehnten: die Unterordnung unter eine als feindlich angesehene Regierung. So ist Serbiens Nachricht an die EU (vorerst) »Nein!«

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.