Ein gewisses Unbehagen
Simon Poelchau über von der Leyens Vorschlag, homosexuelle Lebenspartnerschaften Adoptionsrechte zu geben
Bei lebensweltlichen Themen braucht es nicht viel, um in der Union als progressiver Linksabweichler zu gelten. Dies bewies mal wieder Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Diesmal stellte sie sich auf die Seite der Homosexuellen. Von der Leyen vertrat die in konservativen Kreisen noch gar zu revolutionäre Ansicht, dass homosexuelle Lebenspartnerschaften die selben Adoptionsrechte haben sollten wie Ehepaare.
Die klaffende Wunde, die jüngst das Bundesverfassungsgericht konservativen Politikern durch die Anmahnung der steuerrechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare zufügte, ist noch nicht ganz verheilt, schon sehen die Sittenwächter der Union den endgültigen Verfall des heteronormativen Abendlandes kommen. Denn diesmal geht es nicht nur ums Geld, sondern um die moralische Reproduktion der Gesellschaft - oder wie es Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier ausdrückt: »um das Wohl von Kindern«. Empirische Beweise, warum homosexuelle Paare die schlechteren Eltern sein sollten, können die Unionspolitiker zwar nicht erbringen. Deshalb muss bei Bouffier »ein gewisses Unbehagen« gegenüber schwulen oder lesbischen Eltern als Begründung dienen. »Ein gewisses Unbehagen« kann man aber auch als junger Mensch wegen dieser Partei bekommen, die immer noch von ewig gestrigen Vorurteilen fernab der Realität lebt.
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