Dumpinglöhne im Festzelt
DGB Nord mobilisiert gegen prekäre Beschäftigungsverhältnisse während der Kieler Woche
In Kiel läuft derzeit das »Volksfest des Nordens«: Zur Kieler Woche, dem größten Segelsportereignis Europas, werden rund drei Millionen Besucher erwartet. Ausgelassene Stimmung und Feierlaune prägen das Bild. Aber der Spaß findet nicht selten auf Kosten der vielen Helfer, Mini-Jobber und Angestellten vor Ort statt. Erstmals wartet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) deshalb in diesen Tagen auf der riesigen Festmeile mit einer Aufklärungskampagne gegen Lohndumping und miserable bis prekäre Beschäftigungsverhältnisse auf.
Warum wird inzwischen eigentlich genau hingeguckt, ob alle Veranstaltungszugänge und natürlich auch die sanitären Anlagen barrierefrei sind, doch über Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung geschwiegen? Diese Frage stellten sich auch die Kieler DGB-Spitzen vor ihrer jetzigen Informationsoffensive. Aus ihrer Sicht sind Veranstalter und Betreiber für ein vernünftiges Arbeitsklima verantwortlich - und dabei insbesondere auch für die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften sowie der Arbeits- und Ruhezeiten. Beim DGB wünscht man sich, dass die Mitarbeiter der Gewerbeaufsicht während der Festivitäten ihr Augenmerk ein wenig genauer auf die sozialen Standards richten.
Mit Hilfe von Vertretern aus der Einzelgewerkschaften will der DGB nun auf der Kieler Woche gezielt das Gespräch mit auf der Festmeile Beschäftigten suchen, aber auch mit Standbetreibern. Gerade das Gastronomie- und nicht minder das Sicherheitsgewerbe stehen dabei im Fokus. Aber es geht auch um Eventveranstalter, Gerüstbauer und Technikausstatter.
Hintergrund ist auch ein zum 1. August in Schleswig-Holstein in Kraft tretendes Tariftreue- und Vergabegesetz, das einen Mindestlohn von 9,18 Euro bei der Vergabe öffentlicher Aufträge ab einem Volumen oberhalb von 15 000 Euro vorschreibt. »Wir erwarten, dass die Stadt Kiel künftig auch das Kriterium der guten Arbeit und einer angemessenen und fairen Entlohnung in ihren Vergabekatalog aufnimmt«, erklärt der Kieler DGB-Chef Frank Hornschu unmissverständlich.
Auch an anderen Orten von Großveranstaltungen will die Gewerkschaft künftig nach Aussage von DGB-Nord-Sprecher Günter Beling mit diesem Thema Flagge zeigen. Dabei nannte er namentlich unter anderem das Heavy-Metal-Festival in Wacken.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.