Das Letzte
Silvia Ottow will an die Wurzel der Gesundheitsvorsorge
Man könnte es sich leicht machen und das letzte Gesetz aus dem Hause des Bundesgesundheitsministers für diese Wahlperiode einfach auch als das Letzte bezeichnen - zumal es möglich ist, dass es zwar heute im Bundestag beschlossen, aber nächste Woche im Bundesrat wieder gekippt wird. Will man jedoch Krankheiten ernsthaft vorbeugen, genügt es nicht, ein paar Broschüren und Plakate herauszugeben und ansonsten an die Eigenverantwortung der Menschen zu appellieren.
Wie wenig das klappt, zeigt die gestiegene Anzahl junger männlicher Raucher oder übergewichtiger Menschen beiderlei Geschlechts mit den allseits bekannten schrecklichen Krankheitsfolgen. Wer auch nur einen Ansatz finden will, um diese Probleme lösen zu können, müsste unter anderem verhindern, dass die Industrie gesundheitsschädliche Nahrungsmittel auf den Markt bringt und die Inhaltsstoffe ihrer Produkte weiter verschleiern darf. Er müsste erreichen, dass alle Menschen den gleichen Zugang zu medizinischen Leistungen haben und gerade auf diesem Gebiet nicht das Geld darüber entscheidet, wer einen gesunden Weg ins Leben einschlägt. Es müsste ausreichend Kitas geben, Gesundheitsstandards in den Unternehmen, Mindestlöhne und ein Mindestmaß an Vernunft bei der Herstellung und Vergabe von Arzneimitteln. Wenn man dann noch zusätzlich ein Bürokratiemonster mit Geld versorgt, damit es die Welt mit sinnlosen Plakaten überschüttet, bitte sehr! Solange sich das Präventionsgesetz auf Letzteres beschränkt, bleibt es das Letzte.
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