Hart, aber hilflos
Klaus Joachim Herrmann über die ägyptischen Krise
Auf »Härte« setzt in der ägyptischen Krise jedermann gern. Nun droht die Regierung in Kairo den Muslimbrüdern auch noch mit deren Verbot. Die wiederum demonstrieren längst nicht mehr nur unter Berufung auf Demokratie ihrem gestürzten Präsidenten hinterher. Sie setzen den roten Hahn auf Regierungsdächer und tragen Waffen nicht nur zur Schau. Die einen wie die anderen haben mit »Härte« bereits übergenug Unheil angerichtet.
Was taugte denn nun wohl weitere Härte? Sie ließe sich doch ohne eine weitere Verschärfung der Lage nicht einmal im Ansatz durchsetzen. Verbote von Protesten und deren Zerschlagung gingen schon mehrfach äußerst blutig daneben. Die Muslimbrüder dürften die Mehrheit der Wähler jetzt nicht mehr für sich mobilisieren können. Doch weiter gewaltsam in den Untergrund gedrängt, blieben ihnen immer noch Terrorakt und Märtyrertod.
Als sich das Militär nach der zerstörerischen Herrschaft des Muslimbruders an die Macht begab, wurde es im Lande sichtlich bejubelt und im Ausland zumindest weithin geduldet. Es schien ziemlich klar, was die Generäle nicht wollten. Was sie aber genau wollten und wie das zu machen sei, blieb weitgehend offen. Die Macht allein reicht eben nicht, man muss auch sehr genau wissen, was man mit ihr anfangen will. Nicht die »Härte« ist das Problem in Ägypten, davon gibt es genug. Sie ist ein Auswuchs der Hilf- und Ratlosigkeit. Es fehlt das Konzept - auch international.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.