Erneut Proteste in der Türkei

Skandal um Tod eines Demonstranten

  • Lesedauer: 2 Min.

Istanbul (AFP/nd). In der türkischen Stadt Istanbul ist es den dritten Tag in Folge zu Massenprotesten gegen Polizeigewalt gekommen. Im Bezirk Kadiköy setzte die Bereitschaftspolizei in der Nacht zum Freitag Wasserwerfer und Tränengas ein, um mehrere tausend Demonstranten von einem Büro der Partei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan abzuhalten. Nach Berichten türkischer Medien habe es mehrere Festnahmen gegeben. Die Proteste richten sich gegen ein von Erdogan unterstütztes Bauprojekt am Taksim-Platz, aber auch gegen das gewaltsame Vorgehen der Polizei.

Inzwischen geht die Justiz dem Verdacht nach, dass die mutmaßliche Verantwortung von Polizisten für den Tod eines Demon᠆stranten vertuscht werden sollte. Die Staatsanwaltschaft in der Stadt Eskisehir im Westen des Landes wandte sich deshalb nun im Fall des im Juni getöteten Ali Ismail Korkmaz an den Wissenschaftsrat der Regierung, wie türkische Medien am Freitag meldeten. Der Rat soll klären, ob und wie Aufnahmen von Überwachungskameras gelöscht wurden, die tödliche Prügel von Polizisten und Zivilisten für Korkmaz zeigten.

Die Staatsanwaltschaft in Eskisehir verlangt lange Haftstrafen für vier Polizeibeamte und vier Zivilisten, die Korkmaz mit Knüppeln und Fußtritten so schwer misshandelt haben sollen, dass er nach einigen Wochen im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Experten der Militärpolizei waren zu dem Schluss gekommen, dass insgesamt vier Mal versucht wurde, Aufnahmen einer Überwachungskamera zu löschen. Die Fachleute konnten die Aufnahmen aber wieder herstellen, was zur Anklage gegen die acht Beschuldigten führte. Zwei der Versuche zur Löschung der Aufnahmen sollen zu einer Zeit stattgefunden haben, in der sich die Bilder bei einem Gutachter befanden.

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