Anerkennung und Appell

Olaf Standke über den Friedensnobelpreis 2013

  • Lesedauer: 1 Min.

Tatsächlich lässt sich monieren, dass der Friedensnobelpreis zuletzt allzu häufig an Institutionen und Politiker gegangen ist, die per se beauftragt sind, unsere Welt sicherer zu machen. Und nicht an Aktivisten und Bewegungen, die sich unter schwierigen, ja lebensgefährlichen Bedingungen gegen Krieg und Menschenrechtsverletzungen dort engagieren, wo nicht selten Diplomaten versagen. Aber kann man wirklich etwas dagegen haben, wenn die Auszeichnung in diesem Jahr an eine internationale Organisation geht, die sich die Abschaffung schrecklichster Massenvernichtungswaffen auf die Fahnen geschrieben hat?

Richtig ist sicher auch der Hinweis, dass die Ehrung wie schon im Fall von USA-Präsident Barack Obama nicht zum Vorschuss auf erhoffte gute Taten verkommen dürfe. Nur, wer die gestrige Verleihung des Nobelpreises an die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen allein an die Giftgas-Vernichtung in Syrien bindet, greift zu kurz. Nicht zuletzt den unabhängigen OPCW-Inspektionen ist es zu verdanken, dass inzwischen weltweit über 80 Prozent der chemischen Waffen abgerüstet worden sind.

Doch fraglos sollte man diese Preisvergabe auch als dringenden Appell verstehen - an die USA und Russland etwa, die bei der Vernichtung ihrer Arsenale hinter dem Zeitplan liegen, vor allem aber an Staaten wie Ägypten, Angola, Nordkorea Südsudan und Somalia oder Israel und Myanmar, die die Verbotskonvention noch immer nicht unterzeichnet beziehungsweise ratifiziert haben.

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