Dieser Text ist Teil des nd-Archivs seit 1946.

Um die Inhalte, die in den Jahrgängen bis 2001 als gedrucktes Papier vorliegen, in eine digitalisierte Fassung zu übertragen, wurde eine automatische Text- und Layouterkennung eingesetzt. Je älter das Original, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass der automatische Erkennvorgang bei einzelnen Wörtern oder Absätzen auf Probleme stößt.

Es kann also vereinzelt vorkommen, dass Texte fehlerhaft sind.

Pfauenthron

  • Günter Wermusch
  • Lesedauer: 2 Min.

Ein französischer Edelsteinhändler, Jean Baptiste Tavernier (1605-1689), war wohl der letzte Europäer, der ihn noch gesehen hat - den Pfauenthron, das kostbarste Kunstwerk aller Zeiten. Im Oktober 1665 weilte Tavernier zum Geburtstag des Großmoguls Aurengzeb in Delhi. Zurückgekehrt nach Paris, hat er seine Eindrücke geschildert. Die unter einem mit Diamanten und Perlen übersäten Baldachin liegende Thronanlage war mit 108 Rubinen von jeweils über 100 Karat und 160 Smaragden zwischen 30 und 60 Karat geschmückt. Die den Thron flankierenden Pfauen trugen in ihren aufgerichteten Schweifen blaue Saphire und andere Edelsteine. Vor dem Antlitz des Herrschers hing ein Diamant von 80 bis 90 Karat. Das kostbarste aber, so Tavernier, waren die weißen Perlen an den 12 Säulen, jeweils zwischen 6 und 10 Karat schwer. Vor dem Thron standen zwei Sonnenschirme, deren über zwei Meter lange goldene Träger mit Diamanten, Rubinen und Perlen bedeckt waren. Der Franzose schätzte den Wert des Prunkstücks auf damals unglaubliche 160,5 Millionen Franc.

Aurengzeb starb 1707 Im Jahre 1739 eroberten Truppen des persischen Schahs Nadir Delhi und rissen den Pfauenthron wie auch den «Großmogul» (192 Karat) an sich. Seitdem gilt der Pfauenthron als verschollen. Man hat später vermutet, das britische Schiff «Grosvenor» hätte den Thron an Bord gehabt, als es im Juni 1782 von Trinkomali (Sri Lanka) ablegte und dann 200 Kilometer südlich von Durban (Südafrika) strandete. Bis in die 60er Jahre unseres Jahrhunderts war das Wrack der «Grosvenor» Ziel von Ber gungsunternehmen. Man fand Goldmünzen, Schmuckstücke und Porzellan, der Pfauen thron aber blieb verschollen.

Von dem Raubgut Nadirs haben nur drei Stücke überlebt, der «Großmogul» kam nach Russland. Fürst Grigori Or low verehrte ihn 1773 seiner Herrscherin, Katharina der Großen. Seither trägt er den Namen «Orlow». Im Moskauer Diamantenfonds befindet sich auch der Stein, der vor Aurengzebs Thron hing. Es ist der «Schah» (88,7 Karat), den die Perser 1829 als Sühne für die Ermordung des russischen Dichters und Botschafters Gribojedow über gaben. Der heute zum britischen Kronschatz gehörende Koh-i-noor (106 Karat), ebenfalls vom Hof der Großmoguln, gehörte nickt zum Ensemble des Pfauenthrons. Nach Taverniers Schilderungen hat Johann Melchior Dinglinger 1709 eine Miniatur desPfauenthrons (mit echten Edelsteinen) angefertigt. Sie ist im Dresdner Grünen Gewölbe zu besichtigen.

- Anzeige -

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.