Prager Stolpersteine
Olaf Standke über die neue Regierung in Tschechien
Die Regierungsbildung in Tschechien nach vorgezogenen Neuwahlen war eine zähe Angelegenheit. So manchem Beobachter scheint die Koalition der Gegensätze zwischen Sozialdemokraten, der Partei des Milliardärs Andrej Babis und Christdemokraten nur ein Bündnis auf Zeit zu sein. Am späten Dienstagabend hat es allerdings die erste Bewährungsprobe bestanden: Beim Vertrauensvotum im Prager Parlament kam die neue Regierung auf eine deutliche Mehrheit. Die Kommunisten, drittstärkste Kraft im Abgeordnetenhaus, enthielten sich dabei der Stimme.
Ministerpräsident Bohuslav Sobotka setzt in seinem Regierungsprogramm drei Prioritäten: eine Wirtschaftspolitik für Wachstum und Arbeitsplätze, die Korrektur der Reformen früherer Rechtsregierungen und ein besseres Funktionieren des Staates. Und da lauern tatsächlich Stolpersteine. Etwa wenn es um die Finanzierung des Konjunkturprogramms geht. Oder um die sozialen Auswirkungen des geplanten Beitritts zum EU-Pakt für mehr Haushaltsdisziplin, mit dem man ein europafreundliches Zeichen setzen will. Oder um die längst nicht ausgeräumten Streitpunkte der Koalitionspartner in Sachen Mindestrente und Unternehmenssteuer. Sobotka jedenfalls glaubte schon warnen zu müssen, dass die Regierung nun nicht ihre ganze Energie im Koalitionsgerangel verbrauchen dürfe.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.