Russischer Rückhalt
Klaus Joachim Herrmann über die Krise um die Halbinsel Krim
Die Krim befindet sich in strategisch herausgehobener Lage und in einer schwierigen Situation. Die neuen Kiewer Verhältnisse lassen die Russen auf der Halbinsel wachsenden ukrainischen Nationalismus und anderes Unheil befürchten. Das Recht auf ihre Amtssprache sind sie schon los, und Gutes wird vom Umsturz in der fernen Landeshauptstadt ohnehin nicht erwartet. Da nehmen auch sie sich ihres Schicksals und gern Hilfe an.
Wie der Maidan in Kiew auf Brüssel und Washington, so setzen die vielen Russen der Halbinsel auf Moskau. Das ist weder überraschend noch historisch verwunderlich. Eng sind die Bindungen, und russisch war die Krim ja auch schon einmal. Besonders in diesen Tagen gelten dem allzu großzügigen Nikita Chruschtschow, der die Halbinsel 1954 dem damals noch brüderlichen sowjetischen Nachbarn schenkte, wieder viele der berühmten deftigen russischen Flüche. Ganz sicher auch im Kreml.
Simferopol und Moskau verstehen die Vorgänge in Kiew als Beispiel. Volkes Wille ist heilig und soll sich statt auf dem zentralen Platz sogar in einem Referendum äußern. »Selbstverteidigungskräfte« sorgen für Ordnung, und statt USA und EU bietet eben Russland den nötigen Rückhalt. Es anerkennt also Volkes Willen, präsentiert den hier noch anerkannten Präsidenten - und hat, ganz wie auch der Westen in der Ukraine, strategische Interessen.
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