Ein Holzsarg für »Newsweek«

Martin Hatzius über die Wiederauferstehung des zeitweilig nur noch online erschienenen US-amerikanischen Wochenmagazins als Printprodukt

  • Martin Hatzius
  • Lesedauer: 1 Min.

Als das renommierte, aber an rapidem Leserschwund leidende Nachrichtenmagazin »Newsweek« 2012 seine gedruckte Ausgabe einstellte, verkaufte Chefredakteurin Tina Brown die Sparmaßnahme als mediale Revolution: Die Umstellung auf ein kostenpflichtiges Onlineangebot sei richtungsweisend. Gestern ist die »Newsweek«, nach erneutem Besitzerwechsel, erstmals wieder als Printmagazin erschienen - in einer Auflage von 70 000 Exemplaren (statt vier Millionen anno dazumal). Kleine Auflage, großer Preis - das ist der zweite Coup der beiden knapp 30-jährigen Neueigentümer: Ein Exemplar kostet nun stolze acht Dollar.

Der Trend, medialen Relikten ein zweites Leben als Liebhaberstück einzuhauchen, ist nicht neu. In der Musikbranche, die zunehmend aus körperlosen Streamingdiensten besteht, deren Inhalte verschwinden, sobald das Abo ausläuft, wird gleichzeitig der Verkauf teurer Vinyleditionen immer lukrativer. Gerade machte Jack Whites Label mit der 400 Dollar teuren Box »The Rise and Fall of Paramount Records 1917-1932« von sich reden: sechs blattgoldverzierte Schallplatten in einem mit handbearbeitetem Metall beschlagenen Eichenholzkoffer, dazu im Samtbezug versteckt ein USB-Stick voller Musik. Die neue, alte »Newsweek« - ein Zombie im Holzsarg!

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