Merkels Mitschuld
Aert van Riel über die Debatte zur Krim-Krise im Bundestag
Für Angela Merkel ist die Sache sehr einfach: Russland ist der einzige Schuldige für die Krise auf der Krim und muss mit weiteren Sanktionen bestraft werden, wenn Wladimir Putin nicht einlenken sollte. Solche Gut-Böse-Schemata sollen darüber hinwegtäuschen, wie es zur jetzigen Situation in der Ukraine gekommen ist. Zwar ist das Vorgehen Moskaus auf der Krim völkerrechtswidrig, aber auch die Bundesregierung trägt eine Mitschuld für die mögliche Sezession. Denn sie unterstützt eine Übergangsregierung in der Ukraine, in der auch Faschisten vertreten sind. Die neuen Machthaber hatten mit dem Sturz von Präsident Janukowitsch den Einfluss der im russisch geprägten Osten dominierenden Partei der Regionen eingeschränkt. Als eine der ersten Amtshandlungen sollte ein Gesetz zur Stärkung der russischen Sprache abgeschafft werden. Viele Russen auf der Krim sehen sich von dieser Regierung nicht vertreten.
Der Bundesregierung geht es vor allem um Wirtschaftsinteressen. Um die Ukraine stärker an die EU zu binden, wird die Übergangsregierung bald Teile eines Assoziierungsabkommens unterzeichnen. Russland verfolgt strategische Interessen. Ein ukrainischer Weg, in dem sich das Land nicht zwischen einer Hinwendung nach Osten oder Westen entscheiden müsste, scheint unter diesen Bedingungen unmöglich zu sein.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.