Elektromobilität: Berlin will Referenzstadt sein
Der Ausbau von Ladestationen wird vorangetrieben, Praxistests mit Elektroautos werden ausgeweitet
Auch die Bundesregierung geht mit der Zeit: Zehn Prozent ihres Fuhrparks sollen zukünftig mit Strom fahren. In Berlin soll Elektromobilität ebenfalls eine immer zentralere Rolle spielen, und eine innovative Lösung für das Grundbedürfnis nach Mobilität in schnell wachsenden Städten ermöglichen.
Das Thema polarisiert, wobei die Meinungen zur Elektromobilität zwischen effizienter und Ressourcenschonender Lösung bis hin zu technischer Fehlentwicklung und Subventionsgrab auseinandergehen. Die Berliner Agentur für Elektromobilität »eMO« veranstaltet dazu am 26. März im Roten Rathaus die Hauptstadtkonferenz Elektromobilität 2014. Beim Veranstalter sieht man die Technik eher als echte Revolution in der Mobilität, mit der Möglichkeit für Berlin, zum internationalen Vorreiter zu werden. Mit 200 ansässigen Firmen ist die Stadt bereits jetzt Praxislabor für die Elektromobilitätsindustrie.
Zehn Prozent des Marktes in Deutschland deckt Berlin mit seinen etwa 1300 Elektrofahrzeugen ab. Ein schnell wachsender Markt allerdings, bei dem sich die Neuzulassungen 2013 verdoppelt haben. Nur 20 Prozent der Elektrofahrzeuge sind dabei in Privatbesitz, der Rest verteilt sich auf Unternehmensflotten und Car Sharing Firmen. Speziell in diesem Bereich gibt es großes Wachstumspotenzial. Da weniger als die Hälfte aller Haushalte in Berlin ein Auto hat, liegt die Zukunft in der flexiblen Verknüpfung von ÖPNV, Car- und Bike-Sharing.
Um dieses Potenzial für die Elektromobilität zu verwirklichen, sollen die Ladestationen bis 2015 von derzeit 400 auf 1600 ausgebaut werden. Dazu sollen zwei bis drei Privatunternehmen mit dem Ausbau beauftragt werden. Als Investition in den Technologiestandort Berlin unterstützt die Stadt den Ausbau mit einem einstelligen Millionenbetrag.
»Für die Autohersteller ist die Elektromobilität kein Nischenthema mehr«, sagt Guido Beermann, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wirtschaft. Er übergab am Donnerstag zusammen mit Gernot Lohenberg, Leiter der eMO, drei Versuchsautos an die Firma Messenger, welche im Rahmen des Pilotprojekts »Schaufenster Internationale Elektromobilität« in Berlin und Brandenburg die Ansprüche an Elektroautos testet.
Michael Eicker, Kurierfahrer der Firma, sieht noch reichlich Testbedarf. »Mit durschnittlich zu fahrenden 150 Kilometern am Tag reicht die Batterie nicht für den Betrieb im Kurierservice«, anders als zum Beispiel im Paketlieferservice, wo ein Fahrzeug durschnittlich nur 40 Kilometer weit kommen muss. Auch sind als Parkplätze missbrauchte Ladestationen ein Problem.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.