Hollandes Offenbarung

Katja Herzberg zum Regierungswechsel in Frankreich

  • Katja Herzberg
  • Lesedauer: 1 Min.

Präsident François Hollande glaubt, ihm sei mit der Regierungsumbildung der Befreiungsschlag gelungen. Aber auch mit dieser Offenbarung schaufelt er weiter an seinem Grab - und an dem der Sozialistischen Partei (PS).

Die Einsetzung des im Amt des Innenministers vollends zum Hardliner avancierten Manuel Valls als neuer Regierungschef erstickt alle Hoffnungen auf einen Politikwechsel hin zu sozialer Gerechtigkeit im Keim. Damit wendet sich Hollande nicht nur von seinen Versprechen ab, für die er sich vor knapp zwei Jahren in den Élysée-Palast wählen ließ. Den Mann an die Spitze einer neuen »Kampfregierung« zu stellen, der sich mit Räumungen von Roma-Siedlungen und Abschiebungen Beliebtheit verschaffte, in der Vergangenheit die 35-Stunde-Woche abschaffen und das Wort »sozialistisch« aus dem Namen der PS streichen lassen wollte - auch wenn schon lange klar ist, dass sich nur noch eine Minderheit der Mitglieder an diesem ideologischen Anspruch messen lassen möchte -, zeugt nicht nur von einem schwachen Moment Hollandes.

Im für die PS kritischsten Augenblick der letzten Jahre gibt er die Parteilinke auf und einem Rechtsruck im Land nach. Damit provoziert Hollande sogar eine möglicherweise lange anhaltende Zerrüttung zwischen reformistischen Sozialdemokraten und der emanzipatorischen Linken.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.