Gauck will »aktive Rolle« Deutschland
Mehr Einsätze im Ausland: Bundespräsident spricht sich erneut für Ende der »Zurückhaltung« aus / Auch militärische Mittel nicht ausgeschlossen / Deutschland stehe »an der Seite der Unterdrückten«
Berlin. Bundespräsident Joachim Gauck hat erneut auf eine aktivere Rolle Deutschlands in der Weltpolitik gedrängt. Deutschland solle »eine Zurückhaltung, die in vergangenen Jahrzehnten geboten war«, ablegen »zugunsten einer größeren Wahrnehmung von Verantwortung«, sagte Gauck am Rande seines Besuchs in Norwegen gegenüber dem Deutschlandfunk. Er habe von vielen Gesprächspartnern ein »Ja zu einem aktiven Deutschland« gehört.
Dabei spreche er sich nicht für »deutsches Dominanzgebaren« aus, sagte Gauck. »Das Gegenteil ist gemeint«, im Verbund mit Europäischer Union und NATO müsse Deutschland »Ja zu einer aktiven Teilnahme an Konfliktlösungen im größeren Rahmen« sagen - und zwar »entsprechend unserer Bedeutung«. Das Staatsoberhaupt lobte dabei das Agieren der Bundesregierung im Ukrainekonflikt. »Das ist genau das, was ich gemeint habe.«
Zwar sei Zurückhaltung in den vergangenen Jahrzehnten geboten, aber heute sei die Bundesrepublik »eine solide Demokratie«, das Land stehe »an der Seite der Unterdrückten«. Im Kampf um Menschenrechte sei es »erforderlich, manchmal zu den Waffen zu greifen«, so Gauck. Er forderte daher »international auch Kräfte, die Verbrecher oder Despoten« stoppen könnten. Als »letztes Mittel« könne auch eine Abwehr von Aggression mit militärischen Mitteln erforderlich sein.
Gauck hatte bereits im Frühjahr auf der Münchner Sicherheitskonferenz mehr Einsatz Deutschlands bei der weltweiten Krisenbewältigung gefordert. In sein Plädoyer für eine stärkere Rolle im Rahmen von EU und Nato schloss Gauck militärisches Engagement ein. Grüne, Linkspartei und Piraten hatten davor gewarnt, den Weg für mehr militärische Einsätze der Bundeswehr im Ausland zu ebnen. nd/mit Agenturen
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.