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Er kann
Pablo Iglesias Turrión will Präsident des EU-Parlaments werden
Podemos - wir können - mit diesem Slogan und Parteinamen kamen die einstigen spanischen Aktivisten der Empörten-Bewegung bei der Europawahl auf beachtliche acht Prozent. Mit den daraus resultierenden fünf EU-Parlamentssitzen gibt sich Podemos aber noch lange nicht zufrieden. Das bekannteste Gesicht der erst im März gegründeten Partei, Pablo Iglesias Turrión, will Parlamentspräsident werden und wurde für die Wahl am Dienstag von der Linksfraktion GUE/NGL zum Kandidaten gekürt.
Bei einer Pressekonferenz in Brüssel am Donnerstag stieß das Vorhaben auf große Medienresonanz. Fragen um Fragen musste Iglesias zu seiner Motivation und seinen Plänen für die kommenden Jahre beantworten. Darunter viele, die dem schon fast feststehenden alten und neuen Präsidenten Martin Schulz nicht mehr gestellt werden. Schulz’ sozialdemokratische Fraktion hatte sich Anfang der Woche mit den Abgeordneten der konservativen Europäischen Volkspartei geeinigt, die fünfjährige Amtszeit des Parlamentsvorsitzes teilen zu wollen.
Solche Absprachen ärgern den eigentlich sehr ruhig auftretenden Iglesias maßlos. Aus Spanien ist er Korruption in der Politik gewohnt. Das Phänomen war neben den Folgen der Krise Hauptgrund dafür, sich in die institutionelle Politik zu begeben.
Dort ist der 35-jährige Madrider Politologieprofessor nach den Erfolgen der 15-M-Bewegung, aber auch dem Ende der Massenproteste gelandet. Er wollte schlicht nicht mehr aufhören, gegen das Spardiktat und Massenarbeitslosigkeit in Südeuropa sowie für mehr Demokratie zu kämpfen. »Ein anderes Europa ist möglich«, wiederholte Iglesias denn auch das aktuelle linke Mantra.
Er verspricht nun einen neuen Politikstil und lebt ihn selbst vor: Mit seinem ersten Antrag im EU-Parlament will er eine Kürzung der Abgeordnetenbezüge fordern - das Bruttogrundgehalt liegt derzeit bei rund 8000 Euro. Iglesias will sich mit 1900 Euro begnügen. Das ist immer noch doppelt so viel, wie er bisher als Politik-Teilzeit-Dozent an der Uni Madrid bekam.
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