Geldschwemme ohne Ziel
Nicolai Hagedorn über ausbleibende Erfolge der EZB-Politik
Der Versuch der EZB, durch immer billigeres Geld Wachstum auszulösen und Inflation zu erzeugen, steht kurz vor dem Scheitern. Wenn der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag zu seiner ersten Sitzung nach der Leitzinssenkung auf 0,15 Prozent und der Einführung von Negativzinsen auf Notenbankeinlagen zusammenkommt, muss er zur Kenntnis nehmen, dass sich die Hoffnung auf eine bessere Ausstattung der produzierenden Unternehmen mit Krediten nicht erfüllt hat. In Griechenland schrumpfen die Umsätze der Industrie weiter, während Portugals Wirtschaftsleistung im ersten Quartal zurückging und selbst in Deutschland die Einzelhandelsumsätze auf dem Niveau von Mitte der 90er Jahre verharren.
Wo schon die bestehenden Produktionskapazitäten nicht ausgelastet sind, wird eben selten in neue Anlagen investiert. Die Banken finden daher kaum rentable Abnehmer für all das billige Geld und zahlen damit lieber ihre Zentralbankkredite zurück. EZB-Präsident Mario Draghi denkt daher bereits über Direktkredite an Unternehmen nach, die Dosis der bisher unwirksamen Geldmedizin soll also weiter erhöht werden. Was das an den eigentlichen Krisenursachen, an Überkapazitäten und verstopften Absatzwegen, also den Folgen der Sparpolitik, ändern könnte, bleibt vollkommen schleierhaft.
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