Lautes Klagen, wenig Hilfe
Roland Etzel zum Echo auf den Hilferuf der irakischen Jesiden
Die Nachrichten aus dem irakisch-kurdisch-syrischen Kriegsgebiet sind alarmierend. Auch wenn es äußerst schwierig war und ist, sich bei den ständig variierenden Allianzen und Fronten in der Region ein Bild von der Lage zu machen, eines war stets sehr klar: Hier geht es für Hunderttausende Menschen ums pure Überleben - seien sie nun Christen oder Jesiden, Araber oder Kurden, die zum Spielball im Machtkampf regionaler Milizen in einer zerfallenden Staatenlandschaft geworden sind.
Damit hat sich nun der UN-Sicherheitsrat beschäftigt; endlich, muss man betonen, denn die furchtbaren Nachrichten über Hinrichtungen, Massenflucht, Hungersnot und Zwangsmissionierung kursieren seit Wochen. Eine besondere Alarmiertheit war bei den Vetomächten deshalb aber nicht zu bemerken. Dabei weiß man, sie können auch anders. Hier aber gibt man sich hilflos, klagt laut, tut wenig und begrüßt die Bereitschaft der USA, Stellungen der Kalifats-Dschihadisten in Irak zu bombardieren.
Zustimmung dafür kommt auch von der Bundesregierung. Könnte sie nicht wenigstens fragen, auf welcher völkerrechtlichen Grundlage dies geschieht? Haben die USA dafür um ein Mandat des Sicherheitsrates ersucht? Ist das überhaupt erörtert worden?
Offenbar nicht. Wann aber waren Bomben schon mal eine gute Lösung? Eine humanitäre Luftbrücke und die Schaffung von Fluchtkorridoren sind dagegen viel zu spät erwogen worden und stehen erst am Anfang.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.