Deutschstämmiger kandidiert
In Rumänien gibt es zwei Favoriten für die Staatschefwahl im November
Leise geht er nicht. Rumäniens scheidender Landesvater zieht vor seinem Abschied im November gegen seine möglichen Nachfolger kräftig vom Leder. Der sozialistische Premier Victor Ponta verhalte sich gegenüber ausländischen Würdenträgern »wie ein Diener«, ätzt Staatschef Traian Basescu. Dessen liberalen Herausforderer Klaus Johannis schmäht der frühere Seekapitän als »naiv«: Selbst seine langjährige Weggefährtin, die frühere Justizministerin Monica Macovei, beschimpft der streitbare Staatschef als »charakterlose Demagogin«.
Nach zehn Amtsjahren und zwei überstandenen Amtsenthebungsverfahren muss der schillernde Rumpelpräsident im November laut Verfassung seinen Sessel räumen. Ob Erzfeinde oder frühere Freunde: Nur wenige Rumänen dürften den Zwangsabtritt der polarisierenden Skandalnudel noch bedauern. Die wichtigsten Kontrahenten im Rennen um seine Nachfolge stehen mittlerweile fest, der Vorwahlkampf läuft auf vollen Touren: Mit dem deutschstämmigen Klaus Johannis, dem Bürgermeister von Hermannstadt (Sibiu) haben die wichtigsten bürgerlichen Parteien einen ernsthaften Rivalen für den favorisierten Platzhirsch und Ministerpräsidenten Victor Ponta nominiert.
Laut Umfragen kann der 41-jährige Ponta bei der Präsidentenkür im ersten Wahlgang mit etwas über 40 Prozent zwar mit einem klaren Sieg rechnen. Doch in der Stichwahl könnte ihm der 55-jährige Erfolgsbürgermeister Johannis trotz seiner deutschen Abstammung auf den Pelz rücken: Umfragen sagen ein knappes Rennen mit einem leichten Umfragevorsprung für Ponta von bisher 2 bis 4 Prozent auf seinen Rivalen voraus.
Gemeinsam haben die nationalliberale PNL und die bürgerliche PDL den bisherigen Lokalpolitiker auf das Kandidatenschild gehoben, da ihm die besten Chancen gegen Ponta zugeschrieben werden. Denn die Anhänger chancenloser Kandidaten wie Hunor Kelemen, dem Chef der ungarischen Minderheitenpartei UDMR, des aus der PNL ausgetretenen früheren Premiers Calin Popescu Tariceanu oder der von ihrer PDL mit Parteiausschluss bedrohten Macovei dürften in der Stichwahl eher zu Johannis als zu Ponta tendieren.
»Ich kann Victor Ponta besiegen«, versichert der Siebenbürger Sachse Johannis, der seit seinem Wechsel aufs nationale Politparkett verstärkt unter der rumänischen Schreibweise seines Namens als »Iohannis« firmiert: »Es ist Zeit für einen Neuanfang. Ich bin aus der Lokalverwaltung aufgebrochen, um die bisherigen politischen Spielregeln zu verändern. Rumänien kann mehr, Rumänien kann es besser.«
Er werde ein Präsident aller Rumänen sein, versichert auch Wahlfavorit Ponta, der beim Buhlen um die Wähler verstärkt nationale Töne anzuschlagen scheint. Es sei zwar kein Problem, wenn ein Kandidat »nicht rumänisch-orthodox« sei, so der Premier. Doch wolle er nicht, dass es zum »Manko« werde, »Rumäne oder ein Orthodoxer im eigenen Land« zu sein. Als »pervers« geißelt der verärgerte Johannis Pontas »Propaganda«: Dass er als Vertreter einer anderen Volksgruppe zum Kandidaten nominiert worden sei, beweise schließlich die »Reife der rumänischen Demokratie«.
Der rumänisch-orthodoxen Kirche scheint die Debatte um die Konfession der Präsidentschaftskandidaten derweil eher unangenehm. Die Kirche sei neutral, den Geistlichen jede politische Aktivität verboten, lässt deren Patriarchat verlauten.
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