Martialische Polizei aus Ferguson abgezogen

Gouverneur Nixon zieht örtliche Polizei ab und setzt auf Deeskalation/ Proteste nach Tod eine schwarzen Jugendlichen halten an

  • Lesedauer: 1 Min.
Es waren Bilder wie aus einer düsteren Dystopie. Hochgerüstete Polizisten trafen auf die Proteste in der US-Kleinstadt Ferguson. Jetzt setzt der Gouverneur von Missouri auf Deeskalation. Die fordert auch Obama.

Washington. Scharfschützen in Tarnuniform, die auf gepanzerten Militärfahrzeugen liegen und mit ihren M4-Sturmgewehren unbewaffnete Demonstranten einschüchtern - diese kriegsähnlichen Bilder haben die Regierung des US-Bundesstaats Missouri zur Kehrtwende bewegt: Nach den gewaltsamen Ausschreitungen in der Kleinstadt Ferguson und der aggressiven Polizeireaktion darauf zog Gouverneur Jay Nixon am Donnerstag die vielkritisierten Einsatzkräfte ab. Das neue Motto heißt Deeskalation.

Während US-Präsident Barack Obama die empörten Einwohner von Ferguson aufrief, nach den tödlichen Polizeischüssen auf einen schwarzen Jugendlichen ruhig zu bleiben, setzte Nixon ein Zeichen: Die militärisch hochgerüsteten örtlichen Polizeikräfte ließ er abziehen, da die Kleinstadt inzwischen »wie ein Kriegsgebiet« wirke. Für die Sicherheit sei ab sofort die Polizei des Staates Missouri verantwortlich.

Den Einsatz in der mehrheitlich von Afroamerikanern bewohnten Ortschaft leitet nun ein Schwarzer - Polizeihauptmann Ron Johnson. Und der will vor allem vermitteln. Während eines Friedensmarschs schüttelte er Aktivisten die Hände und nahm einige Demonstranten gar in den Arm. Die Sicherheitskräfte wies er an, die martialisch wirkenden Gasmasken abzulegen. Auf Straßensperren will Johnson verzichten und das Versammlungsrecht der Anwohner wahren.

»Wir sitzen alle im selben Boot«, wurde der neue Einsatzleiter in Medien zitiert. »Wir sind nicht hier, um Angst zu verbreiten oder einzuschüchtern.« Bei einer Pressekonferenz stellte Johnson zudem klar, dass es ihm »ein persönliches Anliegen« sei, den »Teufelskreis der Gewalt zu durchbrechen, Vertrauen aufzubauen und größtmöglichen Respekt zu zeigen«.

Zuvor war es in dem Vorort von Saint Louis während fünf aufeinanderfolgenden Nächten zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Anlass war der Tod des unbewaffneten schwarzen Teenagers Michael Brown, der am Samstag von einem Polizisten erschossen wurde. Der Schütze sagte, Brown habe ihn attackiert, allerdings ziehen Zeugenaussagen diese Darstellung in Zweifel. Viele Demonstranten sind außerdem empört darüber, dass die Identität des Schützen und die Zahl der abgegebenen Schüsse bislang geheim gehalten wurden.

Johnson sagte dem Sender CNN, bei den Protesten in seiner Heimatstadt Ferguson engagierten sich »Leute, die ich aus der Schule kenne«. Und auch bei ihm zu Hause sei der Frust spürbar: Seinem 21 Jahre alten Sohn und der zwei Jahre älteren Tochter müsse er »dieselben Fragen beantworten wie alle anderen Eltern hier auch«. Johnson kritisierte auch die fehlende ethnische Vielfalt innerhalb der US-Polizei. Seit Jahren prangern Bürgerrechtler mehr oder minder offenen Rassismus innerhalb der Sicherheitskräfte an.

»Es ist an der Zeit für Ruhe und Frieden in den Straßen von Ferguson«, appellierte Obama nach den Ereignissen der vergangenen Tage. Zwar gebe es »keine Entschuldigung« für Angriffe auf Polizisten, aber eben auch nicht für »exzessiven Gewalteinsatz gegen friedliche Proteste«.

Die Polizei von Saint Louis hat interne Ermittlungen im Fall Michael Brown eingeleitet. Das US-Justizministerium ermittelt in einem getrennten Verfahren. Und auch das FBI wurde inzwischen von Obama mit eigenen Nachforschungen beauftragt. afp/nd

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