Sieg über die Strippenzieher
Roland Etzel zum Wahlausgang in Rumänien
Der Sieg des »Nationalliberalen« Iohannis bei der Präsidentschaftswahl in Rumänien über den »Sozialisten« Ponta scheint viele Rumänen mit Hoffnung zu erfüllen. Dieses Gefühl wird nicht so sehr von der Erwartung transportiert, dass es ihnen nun recht schnell materiell besser gehen werde, sondern mehr von der Genugtuung, dass hier ein Patronatssystem, gespeist aus Korruption, einmal nicht geklappt hat.
Ohnehin ging es kaum um Programme; nicht zuletzt, weil die Namen der Parteien, für die beide Kandidaten antraten, recht wenig auf deren praktische Politik schließen lassen, sofern sich deren Inhalte überhaupt nennenswert voneinander unterscheiden. Unter der Knute neoliberaler Sparprogramme und drohend die nationalen Haushalte abklopfender EU-Kommissariate bleibt ohnehin wenig Spielraum für soziale Wohltaten.
Dass letztere vor dem Urnengang vom Ministerpräsidenten Ponta ausgerechnet der nicht gar so übel dastehenden Staatsbeamten-Kaste als Wahlbonbon dargereicht wurden, hat ihm vermutlich eher geschadet als geholfen. Es wäre nicht der schlechteste Nebeneffekt dieser Wahl. Das gilt auch für den Versuch Pontas, im nationalistischen Lager zu fischen: »Im Gegensatz zu ihm bin ich ein echter Rumäne ...« Gut - für alle Staaten auf dem Balkan -, dass das nicht zum Sieg gereicht hat.
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