Eingebildetes Opfer des BND

René Heilig über das Springer-Imperium und seine Ex-Nazi-Mitarbeiter aus Pullach

  • Lesedauer: 2 Min.

»So spähte der BND den Verlag Axel Springer aus«. Welch Wochenend-Schlagzeile! Jahrelang habe der Bundesnachrichtendienst (BND) den Medienkonzern ausgespäht und vertrauliche Informationen über das Unternehmen und den Verleger Axel Springer gesammelt, las man in der Springer-»Bild«.

Was das Blatt da so empört enthüllt, ist brandheiß – seit 16 Jahren. Bereits 1998 half Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom in seinem Buch »Undercover. Der BND und die deutschen Journalisten« auch Springer auf die Sprünge. Schon damals war klar, dass der BND mit seinen »Pressesonderverbindungen« etwas Illegales tat. Denn Inlandsaufklärung ist dem Auslandsgeheimdienst untersagt.

Einer der wichtigsten Spitzel saß im 12. Stock, also der Chefetage des Springer Verlags in Hamburg. Es handelte sich, so »Bild«, um Dr. Horst Mahnke. Deckname: »Klostermann«. Der habe zwischen 1959 und 1969 geschnüffelt und in Pullach gepetzt. Man liest, Mahnke sei nur »eine von insgesamt sieben Quellen des BND im Springer-Verlag« gewesen. Schmidt-Eenboom kommt bei seiner Auflistung der BND-Springer-Leute auf mehr als ein Dutzend Namen. Er wundert sich gehörig darüber, dass »der Verlag sich nun so dreist zum Opfer stilisiere« und lautstark nach Aktenherausgabe rufe.

In der Tat wäre es für die politische wie mediale Aufarbeitung wichtiger, zu erklären, wie der BND die Springer-Medien beeinflusste. Und wie Leute von Mahnkes Schlag überhaupt eine Anstellung erhalten konnte. Mahnke, der es bis zum SS-Hauptsturmführer im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) gebracht hatte, war offenbar schon als Student und Assistent des späteren RSHA-Chefs Franz Alfred Six ein fanatischer Parteigänger der Nazis. 1941 wurde Mahnke als Chef des »Vorkommandos Moskau« der Einsatzgruppe B, also zum Massenmörder an Juden und Kommunisten bestimmt. Bei Smolensk soll er entsprechende Skrupellosigkeit bewiesen haben.

Der Entnazifizierungsausschuss in Hannover untersagte Mahnke 1949, als »Lehrer, Jugendpfleger, Journalist, Redakteur« zu arbeiten. 1952 stellte ihn der »Spiegel« ein, machte ihn zum Redaktionsleiter. Bei Springer wurde Mahnke sogar Chefredakteur und Vertrauter des Verlagsgründers.

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