Droht chavistischer Erdölunion das Aus?
Niedriger Ölpreis macht Petrocaribe zu teuer
Droht der Erdölunion Petrocaribe das Aus? Sie war 2005 auf Betreiben von Venezuelas mittlerweile verstorbenem Staatschef Hugo Chávez gegründet worden. Seither bekommen die Mitgliedsstaaten verbilligtes venezolanisches Öl, das sich Caracas vor allem gegen politische Unterstützung in internationalen Gremien zurückzahlen lässt. Einige der karibischen und zentral-amerikanischen Volkswirtschaften hängen sprichwörtlich am Tropf der Lieferungen.
Venezuelas Regierung bleibt jedoch auf Grund des niedrigen Ölpreises immer weniger Spielraum, die verbilligten Lieferungen an die anderen 17 Mitgliedsstaaten aufrechtzuerhalten. Demonstrativ versprach Präsident Nicolás Maduro am Mittwoch den Partnern eine noch stärkere Zusammenarbeit. Mit welchen konkreten Maßnahmen Maduro den stärkeren Schulterschluss im Petrocaribe erreichen will, sagte er freilich nicht.
Der Staatschef reagierte damit auf das erste Gipfeltreffen der »Initiative Energiesicherheit in der Karibik« Ende Januar in Washington. US-Vizepräsident Joe Biden hatte die »Caribbean Energy Security Initiative« bereits im Juni 2014 angekündigt. Neben dem Gastgeberland USA waren jetzt Vertreter von 26 Karibikstaaten vertreten, darunter viele Petrocaribe-Mitglieder, sowie Vertreter der EU, der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds.
Biden gab bei dem Treffen die Parole aus, es sei nicht gegen die venezolanische Regierung gerichtet, sondern eine Vorsorgemaßnahme im eigenen Interesse der USA, dass die Karibikstaaten »erfolgreich, sicher und bei der Energie unabhängig sind«. Der US-Vize machte damit jedoch deutlich, dass die US-Regierung das Ende von Petrocaribe erwartet und mit ausgebreiteten Armen bereitstehe, um eine wirtschaftliche Destabilisierung mit all ihren Folgen in der karibischen und mittelamerikanischen Region zu vermeiden.
Maduro warf Joe Biden nun auch prompt vor, Venezuela mit einem Staatsstreich und der anschließenden Auflösung der Petrocaribe zu drohen. So direkt formulierte es der US-Vize zwar nicht, aber Bidens Ansinnen konsequent zu Ende gedacht, zeigt, dass sich Washington auf ein baldiges Ende der chavistischen Regierung vorbereitet. Venezuelas Opposition hatte für den Fall der Regierungsübernahme bereits mehrfach angekündigt, die billigen Öllieferungen herunterzufahren.
Venezuela leidet unter dem Verfall der Ölpreise und den daraus folgenden Einnahmeverlusten. Ende Januar war der Preis für ein Fass Rohöl (à 159 Liter) unter die 40-Dollar-Marke gefallen. Mitte 2014 lag er noch bei knapp 100 US-Dollar. Mehr als 95 Prozent der Exporterlöse des südamerikanischen Landes stammen aus dem Ölgeschäft. Gleichzeitig muss das Land allein rund 75 Prozent seiner Nahrungsmittel importieren. Angesichts der ohnehin seit Jahren herrschenden Dollarknappheit für Importe hat sich die Lage in den letzten Monaten dramatisch verschlechtert.
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