Vom Minijob in die Traufe
Grit Gernhardt über die ersten erkennbaren Folgen des Mindestlohnes
Minijobs sind prekäre Arbeitsverhältnisse - eine Überbrückungsmöglichkeit für Studenten oder Hausfrauen sowie eine Notlösung für die vielen, die auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Anstellung finden. Das Ansehen dieser Jobs ist demgemäß nicht besonders hoch bei all jenen, die vernünftige Arbeit und Bezahlung für alle fordern. Eine Begründung für die Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes vor drei Monaten war denn auch die Hoffnung, dass er die prekäre Beschäftigung eindämmen werde. Laut aktuellen Zahlen der Minijobzentrale bestätigt sich diese Hoffnung sogar.
Doch dass die Zahl der Minijobs seit Januar deutlich gesunken ist, heißt nicht automatisch, dass diejenigen, die zuvor einen hatten, nun in gut bezahlten Stellen untergekommen sind. Diesen Schluss lassen die Arbeitsmarktzahlen nicht zu. Viel wahrscheinlicher ist, dass gerade im Niedriglohnsektor mehr schwarz gearbeitet wird und viele Unternehmen die Ausnahmen im Gesetz nutzen und Menschen einstellen, denen sie keinen Mindestlohn zahlen müssen - Jugendliche, Pflichtpraktikanten oder Hartz-IV-Bezieher im ersten halben Jahr. Viele bisherige Minijobber dagegen könnten bald wieder in der Hartz-IV-Statistik auftauchen. Solange der Mindestlohn nicht für alle gilt und zudem ausreichend kontrolliert wird, bringt er viele prekär Beschäftigte nur vom Regen in die Traufe.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.