Warum wird Elmau nicht so groß wie Heiligendamm?
Pollitzer: Ich rechne mit weniger Protestierenden. Das liegt aber nicht daran, dass eine wachsende Zahl Menschen die Regierungsgeschäfte der G7 bejahen würde, sondern daran, dass Proteste systematisch verhindert werden. Das unbegründete Campverbot macht einen menschenwürdigen Aufenthalt internationaler Gäste schwierig bis unmöglich. Wo sollen die angeblich willkommenen Demonstranten denn bleiben?
3A: Wenn man sich in der Welt umschaut, sieht man, dass uns viele Dinge in den letzten Monaten in Atem gehalten haben. Erst jüngst im März waren wir alle in Frankfurt bei den Blockupy-Protesten, dann muss man sich noch mit so lästigen Dingen wie einer Pegida-/Hogesa-Bewegung herumschlagen. Außerdem hat eine positive Entwicklung auch ihre Schattenseiten: Zwar verkriechen sich unsere lieben Regierungschefs im letzten Hinterland, um ihren Gipfel abzuhalten, und lassen sich dabei von 23 000 Polizisten beschützen - es hat allerdings auch Auswirkungen auf eine Mobilisierung, wenn Proteste aus urbanen Zentren genommen werden.
LINKE: Der Gipfel fernab der Zivilisation wurde absichtlich gewählt, um nicht mit den Menschen, um die es geht, in Berührung zu kommen. Trotzdem sind wir optimistisch: Gründe zu protestieren gibt es genauso wie in Heiligendamm - die Abschottung der Mächtigen ist ja gerade ein Zeichen der undemokratischen Verhältnisse. Problematisch ist auch, dass das Stop-G7-Bündnis einer staatlichen Repression und Einschüchterung ausgesetzt ist, was Menschen vom Protestieren oder Unterstützen abhalten könnte. Wir versuchen aber, diese undemokratischen Verhältnisse in Bayern als Ansporn zu nutzen.
OA: Zum einen ist seit Jahren ein Rückgang der Mobilisierungsversuche der Gipfelgegner zu beobachten. Zum anderen sieht sich die radikale Linke dem Problem gegenüber, nach Blockupy und 1. Mai zum dritten Mal im Jahr groß zu mobilisieren. Ein weiteres Problem dürfte sein, dass vor kurzem noch unklar war, wie sich die IL und das UmsGanze-Bündnis zum G7 verhalten. Da sie die zwei größten und mobilisierungsstärksten Vernetzungen sind, hängt viel davon ab, wie viel Energie sie in die Vorbereitungen stecken. Zuletzt ist mit dem Niedergang der Anti-Globalisierungsbewegung auch ein Ende der internationalen Vernetzung eingetreten, was uns weiter geschwächt hat.
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