»Funkstille« im Post-Tarifstreit
Baldiges Ende des Ausstandes nicht abzusehen / Angestellte von Kunden helfen beim Sortieren
Berlin. Nach eineinhalb Wochen Streik bei der Post ist ein baldiges Ende des Ausstandes nicht absehbar. Beide Seiten reden nach Angaben der Gewerkschaft ver.di im Moment nicht miteinander. Es herrsche »totale Funkstille«, sagte ver.di-Sprecher Jan Jurczyk am Mittwoch. Der Streik werde deshalb weiter Schritt für Schritt ausgeweitet. Nach Angaben der Gewerkschaft waren am Mittwochvormittag mehr als 20.000 Post-Mitarbeiter im Arbeitskampf. Darunter seien Beschäftigte in den Briefverteilzentren, Brief- und Paketzusteller sowie seit neuestem auch Mitarbeiter in den Paketzentren. »Das können noch einige Tausend mehr werden«, sagte Jurczyk.
Angestellte von Kunden helfen der Post während des Streiks: Ver.di sieht das Briefgeheimnis gefährdet
Im Bemühen um eine Verringerung der Streikfolgen bekommt die Deutsche Post inzwischen tatkräftige Unterstützung von anderen Unternehmen. Eine Postsprecherin bestätigte am Mittwoch AFP, dass »ein halbes Dutzend namhafter Unternehmen« Mitarbeiter schicke. Die Gewerkschaft ver.di kritisierte, durch den Einsatz von Angestellten anderer Firmen in den Sortierzentren bestehe die Gefahr einer Verletzung des Briefgeheimnisses.
Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« berichtete am Mittwoch, Angestellte von Versandhäusern und Versicherungen würden in den nächstgelegenen Sortierzentren aushelfen, damit ihre Sendungen nicht liegen blieben. Dort kümmerten sie sich nicht speziell um die Briefe und Pakete des eigenen Unternehmens, sondern sortierten auch fremde Sendungen.
Ein Postsprecher wies Befürchtungen um eine mögliche Verletzung des Briefgeheimnisses scharf zurück: Alle Postbeschäftigten seien verpflichtet, das Briefgeheimnis zu achten - dies gelte genauso für Mitarbeiter, die kurzfristig in Sortierzentren aushelfen würden. Das Unternehmen könne die Befürchtungen »nicht nachvollziehen«. Agenturen/nd
Der Poststreik dauert jetzt schon länger als jemals jeder Bahnstreik. Nichts im Briefkasten, aber auch nichts in den Medien.
— Mathias Richel (@mathiasrichel) June 17, 2015
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