Aden hart umkämpft

Krieg in Jemen forderte bisher 3200 Opfer

  • Lesedauer: 2 Min.
Ungeachtet der Versicherungen der jemenitischen Exilregierung, die südliche Stadt Aden wieder unter Kontrolle zu haben, halten die Kämpfe dort an.

Aden. Nach dem Angriff schiitischer Huthi-Rebellen auf eine Wohngegend in Jemens zweitgrößter Stadt Aden ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 75 gestiegen. »Wir können mindestens 75 Tote bestätigen, weil wir sie gesehen haben«, sagte ein Sprecher der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) der Deutschen Presse-Agentur am Montag auf Anfrage.

Zudem gebe es wahrscheinlich bis zu 30 weitere Tote in Krankenhäusern, die nicht von MSF betreut würden. Die Zahl der Verwundeten liege etwa bei 200. Bei dem Bombardement mit Granaten und Raketen am Sonntag seien größtenteils Zivilisten getroffen worden, sagte der Sprecher. Die Rebellen hatten vergangene Woche eine schwere Niederlage erlitten, als sie aus der Hafenstadt vertrieben wurden.

Die Huthis und ihre Verbündeten hatten den sunnitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi und dessen Regierung nach der Eroberung Adens Ende März zur Flucht in die saudische Hauptstadt Riad gezwungen. Seither fliegt ein von Saudi-Arabien geführtes sunnitisches Militärbündnis regelmäßig Luftangriffe auf Stellungen der Rebellen. Auch am Sonntag waren wieder Menschen bei den Luftschlägen ums Leben gekommen: Angriffe auf die Stadt Jarim töteten mindestens 13 Menschen. Die Huthis beherrschen trotz der erlittenen Verluste noch immer große Teile Jemens. Eine Waffenruhe, die die UN kürzlich vermittelt hatten, hielten beide Seiten nicht ein.

Im Kampf um Aden sind regierungstreue Kämpfer am Montag nach eigenen Angaben in das letzte noch von Rebellen kontrollierte Stadtviertel vorgerückt. Die Kämpfer hätten »die Kontrolle über den Großteil des Stadtteils al-Tawahi übernommen«, sagte ihr Sprecher Ali Ahmehi der Nachrichtenagentur AFP. Die regierungstreuen Einheiten nahmen die Präsidentenresidenz, den Sitz eines Militärkommandos und einen Marinestützpunkt ein. Bei den Kämpfen wurden 17 Aufständische und elf Kämpfer der regierungstreuen Einheiten getötet.

Die regierungstreuen Kämpfer durchkämmten nun die Gegend, um Rebellenverstecke ausfindig zu machen, sagte der Sprecher. Einzelne Heckenschützen der Huthi-Miliz stünden noch auf Dächern. In den vergangenen Monaten waren die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen in die Defensive geraten. Am Sonntag griffen sie jedoch den Stadtteil Dar Saad im Norden Adens an. Dabei wurden fast 60 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt. Jemen wird seit Monaten von schweren Kämpfen erschüttert, bei denen bislang nach UN-Angaben mehr als 3200 Menschen getötet wurden. Während ihrer einjährigen Offensive gelang es den Huthi-Rebellen mit Unterstützung von Getreuen des früheren Präsidenten Ali Abdallah Saleh, weite Teile des Jemen unter ihre Kontrolle zu bringen, darunter die Hauptstadt Sanaa und Aden. dpa/nd

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