Donald Trump mischt TV-Debatte auf
US-Milliardär dominiert erstes großes Kandidatengespräch der Republikaner
Cleveland. Der US-Milliardär Donald Trump hat die erste TV-Debatte der Republikaner im US-Vorwahlkampf beherrscht. Trump hielt sich aber ein Rennen ums Weiße Haus als unabhängiger Kandidat offen - was jedem republikanischen Kandidaten den Sieg kosten könnte.
Dagegen wirkte Jeb Bush, der Umfragen-Zweite, streckenweise eher blass. Insgesamt standen am Donnerstagabend (Ortszeit) in Cleveland zehn der insgesamt 17 Bewerber auf der Bühne - Stunden zuvor gab es eine Debatte der sieben Republikaner mit schlechteren Umfrageergebnissen.
»Trump trübt die erste Republikaner-Debatte«, titelte die »Washington Post«. Die Androhung einer unabhängigen Kandidatur sei »eine Handgranate«. Ähnliche äußerte sich die »New York Times«. Die Rückeroberung der Macht nach acht Jahren der Präsidentschaft des Demokraten Barack Obama werde durch die internen Differenzen der Republikaner erschwert.
Trump, dessen Bewerbung noch vor Wochen von Kommentatoren überwiegend belächelt wurde, sprach erneut von »dummen Politikern«. Er sagte, dass er als Geschäftsmann zahlreiche Politiker finanziell unterstützt habe. Kritik etwa an seinen negativen Äußerungen über Frauen oder an seinem eigenen Geschäftsgebaren wich er aus.
Ein Wahlkampf Trumps als unabhängiger, dritter Kandidat würde den Republikanern große Sorgen bereiten. Der Senator Rand Paul aus Kentucky warf Trump vor, er könne damit der Demokratin Hillary Clinton 2016 zum Sieg verhelfen. Die Ex-First-Lady und ehemalige Außenministerin Clinton gilt bei den Demokraten trotz zuletzt schwächelnder Umfragewerte als große Favoritin. Die Vorwahlen beginnen im Februar 2016 - im Sommer bestimmen die Parteien endgültig ihre Kandidaten.
Große Überraschungen oder neue Standpunkte gab es bei der Debatte allerdings nicht. Es kam lediglich zu kurzen direkten Wortgefechten. Zu den Themen zählten Wirtschaft, Steuern, Einwanderung, Terrorismus und die Überwachung durch den Geheimdienst NSA. »Wir müssen den Behörden mehr Werkzeuge geben, um unsere Leute zu schützen, und diese (Werkzeuge) dann beaufsichtigen«, sagte New Jerseys Gouverneur Chris Christie. »Ich will mehr Datensätze von Terroristen sammeln, aber weniger von unabhängigen Amerikanern«, entgegnete ihm Kentuckys Senator Rand Paul, dem die Spionage zu weit geht.
Die Bewerber sprachen sich gegen den Atom-Deal mit dem Iran aus. Viele traten für einen entschlosseneren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an. Sie kritisierten Obama und Clinton wegen staatlicher Gängelung und Bevormundung. Obamas Gesundheitsreform solle gekippt werden.
Der Nutzen solcher TV-Debatten ist umstritten. Die »Washington Post« beschreibt einen guten Auftritt eines Kandidaten als kurzzeitiges Hoch, der die Stimmung in der Bevölkerung zwar leicht verändern, den Ausgang der Wahlen aber nur selten beeinflussen könne. Kandidaten, die zuvor weniger im Rampenlicht standen, könnten durch die Debatten aber mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Stunden zuvor stieg bereits die Debatte der sieben übrigen Kandidaten - zu einer Zeit, als die meisten Amerikaner noch arbeiteten. Daran nahm unter anderem der texanische Ex-Gouverneur Rick Perry teil, der bereits 2012 scheiterte. Er will die Grenze zu Mexiko 24 Stunden am Tag durch Flugzeuge überwachen lassen, um illegale Einwanderer abzuhalten. Zudem soll er Ronald Raven statt Ronald Reagan gesagt haben. Bereits vor vier Jahren war Perry durch einen Aussetzer aufgefallen: In einer Debatte war ihm das dritte Ministerium, das er abschaffen wollte, nicht mehr eingefallen.
Dagegen stach Carly Fiorina heraus. Die Ex-Chefin des High-Tech-Unternehmens Hewlett-Packard ist die einzige Frau unter den 17 republikanischen Bewerbern. Für die »Washington Post« und den US-Sender CNN zählte sie zu den Gewinnern der Nacht - und das obwohl sie nicht an der eigentlichen Debatte teilnahm. Die 60-Jährige griff Trump wegen dessen Meinungswechsel bei den Themen Abtreibung und Einwanderung an: »Ich frage mich, nach welchen Prinzipien er regieren würde«, sagte sie. dpa/nd
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.