Platini bricht Schweigen
Suspendierter Präsident der UEFA weist Schuld von sich
Der suspendierte UEFA-Präsident Michel Platini hat sich zu den Vorwürfen gegen sich und den ebenfalls suspendierten FIFA-Präsidenten Joseph Blatter zu Wort gemeldet. Die dubiose Millionenzahlung des Fußball-Weltverbandes an ihn sei ein »Gentlemen’s Agreement« mit Joseph Blatter gewesen, erklärte der Franzose am Montag der Tageszeitung »Le Monde«. Einen Vertrag kann er folglich nicht vorlegen - es gibt schlichtweg keinen. Es sei »wie bei Ikarus«, sagte Platini: »Immer wenn ich zu nahe an die Sonne fliege, verbrenne ich mich.«
Platini brachte dennoch etwas Licht in die Umstände der viel diskutierten Zahlung, die sowohl ihm als auch FIFA-Chef Blatter eine 90-tägige Sperre eingebracht hatte. Platini hatte erst im Februar 2011 für eine Beratertätigkeit im Zeitraum von 1998 bis 2002 eine Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken (1,8 Millionen Euro) erhalten. Platini erklärte nun ausführlich die Entstehung der folgenschweren Zahlung. Zunächst habe er Blatter 1998 zugesagt, nach dessen Wahl zum FIFA-Präsidenten als sein Berater zu arbeiten. »Blatter hat mich dann gefragt: ›Wie viel willst du?‹. Ich sagte: ›Eine Million‹ - ›Eine Million was?‹ - ›Was immer du willst. Rubel, Pfund, Dollar.‹ Er sagte daraufhin: ›Ok, eine Million Schweizer Franken pro Jahr‹«, so Platini.
Vertraglich festgehalten wurde diese Vereinbarung allerdings nicht. Für das Geld habe er unter anderem an der Reform des weltweiten Fußballkalenders sowie am »Goal Projekt« gearbeitet, so Platini. Später habe Blatter ihm gesagt, er könne nur 300 000 Franken jährlich zahlen, da auch der Generalsekretär nur so viel verdiene. Die fehlende Summe wolle er später begleichen. »Aber dieses ›später‹ ist nie eingetreten«, sagte Platini. Er habe auch nicht mehr nach dem ausstehenden Geld gefragt, »weil ich es nicht brauchte«.
Erst 2011 habe Joseph Blatter auf Anfrage erklärt, dass er Michel Platini noch Geld schulde. Bei seinen Forderungen habe er sich zu seinem Ungunsten verrechnet, so Platini. Er sei davon ausgegangen, bereits 500 000 Franken pro Jahr bekommen zu haben und habe für jedes der vier Jahre nur die fehlenden 500 000 Franken berechnet. Diese zwei Millionen Franken seien »innerhalb von zehn Tagen« überwiesen worden, er habe alles rechtmäßig versteuert. Platini deutete indirekt an, die Veröffentlichung des Vorgangs könne aus dem Blatter-Umfeld gesteuert worden sein: »Sagen wir es so: Ich habe meine Vermutungen. Auf alle Fälle kam alles heraus, nachdem ich Blatter zum Rücktritt geraten und meine eigene Kandidatur bekräftigt hatte. Ich bin der einzige, der sicherstellen kann, dass die FIFA wieder die Heimat des Fußballs wird.«
Die ermittelnde Ethikkommission wird den Vorgang allerdings womöglich als Wirtschaftsdelikt einstufen und dann bei der Strafbemessung von den zwei Millionen Franken ausgehen. Ein FIFA-Insider sagte der »Welt am Sonntag«: »Das wären in der Schweiz fünf Jahre Haft. Wir reden über jeweils fünf Jahre Sperre.« Ethik-Richter Hans-Joachim Eckert wird, nachdem er Blatter und Platini schon provisorisch für 90 Tage bis einschließlich 5. Januar 2016 gesperrt hatte, das endgültige Strafmaß in Kürze verkünden. SID/nd
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