Neuer Trumpf im alten Kampf
Katja Herzberg zur Blockade einer Linksregierung in Portugal
Es ist mehr als eine Anmaßung. Die Entscheidung von Portugals Präsident Aníbal Cavaco Silva, seinen Parteifreund wieder zum Ministerpräsidenten zu ernennen, strotzt vor Wahnwitz. Und doch ist der Vorzug für Pedro Passos Coelho statt des Chefs der Sozialisten, António Costa, so berechnend: Die Linke im Land darf nicht zurück an die Macht. Das Ziel wurde seit der Nelkenrevolution von 1974 stets erreicht. Und droht nun erneut zu ihrem Schicksal zu werden - entgegen dem Wählerwillen und unter dem Deckmantel eines pervertierten Demokratieverständnisses. Portugal steht eine lange Phase des weiteren Wahlkampfes bevor.
Der Linken soll so ein historischer Sieg in doppelter Hinsicht genommen werden: Sie kann vorerst nicht das Ende der Austeritätspolitik im Land einläuten. Frühestens im Mai 2016 könnte sie aus Verfahrensgründen auf die Regierungsbank wechseln. Voraussetzung dafür war und ist eine Einigung im Lager der Parteien von links der Mitte bis zu den Kommunisten - sie ist entgegen allen Erwartungen gelungen. Sozialisten, Linksblock und CDU galten als zerstritten. Doch nun haben sie ihre Chance erkannt.
Dieser Triumph wiegt weit schwerer als das Wahlergebnis vom 4. Oktober. Er könnte zum Trumpf bei Neuwahlen werden, die noch mehr Abstimmung über den Regierungswechsel wären. Das Auftreten der Konservativen als schlechte Verlierer und Gefährder der politischen Stabilität des Landes sollte den Linken bereits in die Hände spielen.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.