Finanzierung auf Zeit

Jürgen Amendt über die Fehler der Wissenschaftsförderung

  • Lesedauer: 2 Min.

Die Tätigkeit des Wissenschaftlers galt einst als ehrbare und gut entlohnte Tätigkeit. Mit »einst« ist der Zeitraum nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu den Hochschulreformen in den 1990er Jahren gemeint, das muss an dieser Stelle betont werden. Ehrbar ist der Beruf des Forschers und Wissenschaftlers auch heute noch; er garantiert aber längst kein ausreichendes Einkommen mehr - jedenfalls nicht für jene, die als Jungakademiker an einer Hochschule beschäftigt sind. Viele hangeln sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag und verdienen dabei kaum mehr als ein Gehalt auf Hartz-IV-Niveau. Die Beschäftigungsperspektiven sind unsicher, selbst eine erfolgreiche Promotion garantiert noch lange nicht eine Festanstellung.

Auf der anderen Seite fließt den Hochschulen viel Geld zu. Es kommt aber immer häufiger aus Drittmitteln. Die wiederum stammen nur zum geringeren Teil aus Aufträgen der Wirtschaft; der Großteil der Drittmittel sind nach wie vor Gelder aus öffentlichen, also staatlichen Forschungsaufträgen.

Womit nicht die Wirtschaft, sondern die Politik in der Verantwortung ist. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) möchte der Befristung jetzt mit einer Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes eine Grenze setzen. Prinzipiell ist das der richtige Schritt, aber eben nur ein kleiner. Künftig soll es Ultra-Kurzzeit-Verträge, die nur über wenige Monate gehen, nicht mehr geben, die Befristungsdauer soll dem Zeitraum der Mittelbewilligung entsprechen. Solange aber bei der Grundfinanzierung gekürzt und die Drittmittelfinanzierung weiter ausgebaut wird, wird sich am grundsätzlichen Problem prekärer Beschäftigung nichts ändern.

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