Vorwärtsverteidigung

Tobias Riegel über den Rücktritt von Chefredakteuren im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Polens

  • Tobias Riegel
  • Lesedauer: 1 Min.

Auch wenn die vier Chefredakteure des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Polen mit ihrem Rücktritt »nur« ihrem Rausschmiss zuvorgekommen sind: Dieser Akt der Verweigerung ist ein starkes Zeichen gegen die machtpolitische Unersättlichkeit der neuen polnischen Regierung. Sollte der eine oder andere Redakteur gar nicht auf der mutmaßlich geführten Liste von zu Entfernenden gestanden haben, so wirkt die Kündigung zudem prophylaktisch gegen die Gefahr der Vereinnahmung durch jene Nationalisten. Und die Journalisten, die mutmaßlich auf einer solchen Liste standen, berauben Kaczyński durch die Vorwärtsverteidigung immerhin einer Möglichkeit der Demütigung.

Es soll hier niemand von einer »Flucht vor der Verantwortung« durch jene Redakteure reden: Polens Rechtsregierung sucht so eindeutig den grundsätzlichen Richtungswechsel, dass Andersdenkenden im Moment nicht viel bleibt als die Totalopposition. In Deutschland nimmt die Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aktuell zum Glück die entgegengesetzte Richtung - auch wenn Berliner Hofberichterstattung und Russophobie von den Nutzern von ARD und ZDF zurecht massenhaft kritisiert werden: Die hiesigen Rundfunkräte müssen wegen eines Urteil des Verfassungsgerichts zukünftig staatsferner besetzt werden.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.