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Die geplanten Strukturänderungen des Weltverbandes

Bevor an diesem Freitag ein neuer Präsident gewählt wird, soll der FIFA-Kongress mit einer Dreiviertelmehrheit dem Reformpaket zustimmen

  • Lesedauer: 3 Min.

Welche Aufgaben hat künftig der FIFA-Präsident?

Eine weitgehend unkontrollierte Allmacht á la Joseph Blatter soll es nicht mehr geben. Der nächste FIFA-Chef soll eher repräsentative Aufgaben übernehmen. Im Alltagsgeschäft spielt er keine Rolle - soweit die Theorie. Völlig entkoppelt ist der neue Präsident aber auch nicht. Er hat Sitz und Stimme im neuen Council. Und er hat ein Vorschlagsrecht bei der Benennung des Generalsekretärs und damit Einfluss auf die Administration.

Wer wird der neue starke Mann beim Weltverband?

Der Generalsekretär bekommt mehr Macht. Das klingt paradox, demonstrierte doch der gesperrte Jérôme Valcke, wie man diesen Job unlauter zum eigenen Vorteil nutzen kann. Gewählt wird der Generalsekretär vom Council. Dies kontrolliert ihn auch. Ebenso wie die Compliance Abteilung, dessen Chief Compliance Officer (passt auf, dass das Geschäftsgebaren des Verbandes Recht und Gesetzen folgt) natürlich im Büro des Generalsekretärs sitzt.

Das Exekutivkomitee stand massiv in der Kritik. Was wird aus dem Gremium?

Aus dem Exekutivkomitee wird das Council. Aus der sogenannten Regierung wird eine Art Aufsichtsrat. Statt die wesentlichen Entscheidungen gerade finanzieller Art zu treffen, darf das Gremium diese nur noch genehmigen. Statt 25 gehören künftig 36 Funktionäre plus Präsident zum elitären Kreis mit einer stärkeren Repräsentation aus Afrika und Asien. Jede Konföderation muss eine Frau entsenden. Berufen werden die Mitglieder weiterhin von ihren Kontinentalverbänden.

Wie funktioniert die Kontrolle der FIFA-Funktionäre?

Für Präsident und Council-Mitglieder gilt die Beschränkung auf drei Amtszeiten à vier Jahre. Sie müssen sich vor Amtsantritt einem externen Integritätscheck unterziehen und die lange streng gehüteten Gehälter werden offen gelegt. Reduziert wird die Zahl der ständigen Kommissionen von 26 auf 9, um mehr Effizienz und Professionalität zu gewährleisten. Die Mitglieder der juristisch relevanten Kommissionen, wie der Ethikkommission, der Disziplinarkommission und der Berufungskommission sollen alle nicht aus der sogenannten Fußballfamilie kommen, also FIFA-extern sein.

Was passiert, wenn die Reformen abgelehnt werden?

Das wäre ein Desaster. Sogar die Zerschlagung der FIFA in bisheriger Form wäre denkbar. Aus zwei Gründen: Die US-Justiz hat angekündigt, ihre Ermittlungen massiv auszuweiten, wenn sich die FIFA nicht reformiert - das war auch letztlich der Grund, warum Blatter im Juni 2015 seinen Rücktritt ankündigte. Gravierend wären zudem die finanziellen Risiken. Konten könnten von der Justiz eingefroren werden. Die FIFA macht wegen der Skandale ohnehin schon Verlust in dreistelliger Millionenhöhe. Die Reserven sind um etwa ein Drittel geschrumpft. Sponsoren haben gekündigt oder eindeutig Reformen eingefordert. Ohne neue Geldgeber ist die Zukunft gefährdet. dpa/nd

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