Mit wem regieren?
Grüne streiten über mögliche Bündnisse auf Bundesebene
Berlin. Die Grünen sind gut ein Jahr vor der Bundestagswahl noch uneins über ihre strategische Ausrichtung. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann warnte eindringlich davor, auf eine rot-rot-grüne Koalition nach der Wahl zu setzen. Offen zeigt er sich für ein Bündnis seiner Partei mit der CDU, wie in der eigenen Landesregierung. Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin riet davon hingegen ab und favorisiert ein Bündnis mit SPD und LINKER.
Durch die Koalitionen mit der Union auf Länderebene stelle man fest, »dass für eine Partei der linken Mitte wie die Grünen die Schnittstellen mit den Sozialdemokraten und auch mit weiten Teilen der LINKEN einfach höher sind als mit der CDU und vor allem der CSU«, sagte Trittin dem »Spiegel«. »Das ist so.« Es gebe zwar »bei manchen Grünen die Haltung, der Sigmar Gabriel sei ein Proll, den mögen wir nicht«, während Merkel als ruhig, sachlich und sympathisch gesehen werde. Jetzt lerne man aber plötzlich, dass es mit der Union doch nicht so einfach sei.
Kretschmann sieht für Rot-Rot-Grün auf Bundesebene vor allem die Linkspartei als Hindernis. »Die LINKE lebt in der Welt einer Nationalökonomie, und außenpolitisch ist sie im Niemandsland - eher eine Protestbewegung«, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. »Wie soll man mit der Linkspartei ein exportorientiertes Industrieland regieren? In dem Zustand, in dem diese Partei jetzt ist, würde schon die Sondierung scheitern.« Zugleich rief Kretschmann die Grünen dazu auf, sich auch auf Bundesebene für eine Koalition mit der CDU zu öffnen. AFP/nd
Kommentar Seite 4
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.