Deutsche Kampfdrohnen starten in Israel

Airbus soll »Heron-TP«-Systeme betreuen - und Erfahrung für Entwicklung eigener Fluggeräte sammeln

  • René Heilig
  • Lesedauer: 2 Min.

Der israelische Militärflugplatz Tel Nof liegt unweit der Küste im Zentrum Israels. Hier sind neben Spezialeinheiten nuklear bewaffnungsfähige Kampfflugzeuge Israels stationiert. Demnächst operieren von dieser Basis aus auch die ersten bewaffneten Drohnen der Deutschen Luftwaffe. Das bestätigte das Verteidigungsministerium auf Anfrage des Linksabgeordneten Andrej Hunko.

Bekannt war bisher, dass - abhängig von den Vertragsverhandlungen - drei bis fünf Systeme »Heron-TP« geleast werden. Sie sollen ab Frühjahr 2019 vom Luftwaffengeschwader 51 im schleswig-holsteinischen Jagel genutzt werden. Stationiert werden sie jedoch - so wird nun erstmals offiziell bestätigt - in Israel. Auch die Ausbildung der Piloten erfolgt dort.

In Tel Nof sei es möglich, »Trainings- und Übungsflüge vereinfacht durchzuführen. Darüber hinaus befindet sich der Stationierungsort nahe beim Systemhersteller und erlaubt so eine rasche und ressourcenschonende technische Unterstützung«.

Alle »Heron-TP«-Maschinen sollen mit elektrooptischen Sensoren im visuellen und infraroten Spektralbereich ausgerüstet sein. Radarsensoren können als Module hinzugefügt werden. Die Drohnen sind im Gegensatz zu den bisher von Israel geleasten bewaffnungsfähig. Doch die Informationen zur Bewaffnung sind von der israelischen Regierung ohne Ausnahme »geheim eingestuft«, erklärt das Verteidigungsministerium. Man teilt lediglich mit, dass »die eingerüsteten Effektoren ein hochpräzises und reaktionsschnelles Wirken gegen nicht gehärtete, stationäre und bewegliche Punktziele zur Unterstützung und zum Schutz eigener Kräfte unter Minimierung von Begleitschäden ermöglichen«. Bei der Bedienung der Drohnen soll auf kommerzielle Satellitenkapazität zurückgegriffen werden. Ein verbindliches Angebot wird nach gegenwärtigem Stand im Oktober 2016 erwartet.

Eine Frage des Vertrauens ist bei der Verschlüsselung der Drohnendaten berührt. Grundsätzlich wolle man eine durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zugelassene Kryptierung zu verwenden, um den nationalen Schutzbedarf sicherzustellen.

Der geplante Drohnenvertrag mit Israel ist offenkundig auch eine Art Konjunkturprogramm für Airbus. Techniker des europäischen Rüstungskonzerns sollen die »Heron-TP«-Drohnen betreuen. Bis 2025, so die Planungen, wird ein airbusgeführtes Konsortium dann eine europäische Kampfdrohne entwickeln. Die mit der Übergangslösung »Heron-TP« gewonnene praktische Erfahrung dürfte Airbus einen wesentlichen Vorteil verschaffen.

Für Andrej Hunko ist nicht zuletzt der Stationierungsort ein Indiz dafür, dass parlamentarische Kontrolle nicht allzu erwünscht ist und auch der deutsche Drohnenkrieg weitgehend geheim geführt werden soll.

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