Zuviel Geld im System
Ulrike Henning über neue Verteilungskämpfe im Gesundheitswesen
Die Krankenkassen stellten sich bisher immer als Sachwalter der Versichertenentgelte dar. Sie müssten dafür sorgen, dass kein Cent davon unnütz ausgegeben werde. Das bleibt sicher weiter gültig - aber beim Risikostrukturausgleich muss man offenbar auch selbst mal etwas nachhelfen, um nicht zu kurz zu kommen. So gibt es Abmachungen von Ärztegruppen mit Kassen, die auf mehr und schwerere Diagnosen zielen - möglicherweise ein Rechtsbruch, in Vertragsform gegossen.
Eine Milliarde Euro zusätzliche Entgelte werden für Krankheiten ausgegeben, die es in dieser Schwere gar nicht gibt. Daran müssen auch Tausende Ärzte mitwirken - und womöglich leisten wehleidige Patienten ebenso ihren Beitrag. Hunderte Millionen Euro werden hin- und hergeschoben, ohne dass irgendjemand davon gesünder wird. Vielleicht fehlt das Geld dann irgendwo, egal, es gibt ja Zuzahlungen und Zusatzbeiträge der Versicherten. Hauptsache immer mehr.
TK-Chef Baas hat jetzt das Hauen und Stechen unter den Krankenversicherungen um den Risikostrukturausgleich, eigentlich um die Milliarden aus dem Gesundheitsfonds, in die Öffentlichkeit getragen. Im endlosen Streit für die eigenen Interessen werden weder Ärzte noch Krankenhäuser und auch nicht die Krankenkassen Verlierer sein. Wer bleibt da wohl?
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.