Die Welt fiebert
Diplomaten verhandeln in Marrakesch über Umsetzung der Pariser UN-Klimaziele
Berlin. Wer krank ist, bekommt Fieber. Das trifft auf Menschen zu - und auf die ganze Welt. Weil die Menschen zur Energieerzeugung fossile Kraftstoffe verbrennen, steigen die Temperaturen seit der Industrialisierung auf der Erde unaufhörlich. Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace haben daher am Sonntag vor dem Bundestag ein Feuer in Form eines großen Thermometers entzündet. Neben dem auf der Wiese vor dem Reichstag in Berlin ausgebreiteten »Thermometer« war »1,5 Grad Celsius« zu lesen. Auf diesen Wert soll die Erderwärmung nach einem Beschluss der Weltklimakonferenz 2015 in Paris möglichst begrenzt werden.
Damit könnte man auch sagen, dass die Welt einem Erfolg bei den Verhandlungen im marokkanischen Marrakesch entgegenfiebert. Dort verhandeln Diplomaten ab diesem Montag bis zum 18. November das, was die Staatschefs in Paris lieber noch nicht besprochen haben: Nämlich, wie im Detail die einzelnen Maßnahmen der einzelnen Länder aussehen könnten, mit denen das weltweite Klimaziel erreicht werden soll.
Für Bundesumweltministerin Barbara Hendricks dürften die Gespräche in Marrakesch ziemlich ungemütlich werden. Denn Deutschland verspielt mehr und mehr sein Image als Vorreiter in Klimafragen und ist mittlerweile eher als notorischer Klimasünder zu bezeichnen. Die selbst gesetzten Meilensteine wird die Bundesrepublik vermutlich nicht erreichen, die von Paris schon gar nicht. Eigentlich wollte Hendricks den Klimaschutzplan 2050 nach Marrakesch im Gepäck haben. Doch nachdem das Dokument, mit dem Berlin bestimmen will, wie es »Paris« umsetzt, bereits mehrfach von Kanzleramt und Wirtschaftsministerium weichgespült wurde, vertagte das Kabinett am vergangenen Mittwoch die entscheidende Abstimmung. spo Seiten 2 und 3
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