Der Kiez ist bereits dicht genug

Umfrage: Mehrheit lehnt weitere Bebauung der Nachbarschaft ab / 40 Prozent würden gegen Baustellen demonstrieren

  • Simon Poelchau
  • Lesedauer: 2 Min.

»Urbanes Gebiet«, das ist das Zauberwort mit dem Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) gegen steigende Mieten in Deutschlands Metropolen vorgehen will. Und dabei hat sie die Bürger auf ihrer Seite. Aber nur halb, wie eine Umfrage der Meinungsforscher von Yougov ergab, die dem »neuen deutschland« vorliegt. Demnach findet es eine Mehrheit von 53 Prozent der Befragten prinzipiell in Ordnung, wenn in Innenstädten künftig höher gebaut wird. Doch wird in der eigenen Nachbarschaft nachverdichtet, ist Ende mit der Toleranz.

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Dabei hat das Bundeskabinett Ende November beschlossen, dass Innenstädte künftig einfacher nachverdichtet werden können. Dafür müssen die Kommunen ihre Kieze als »urbane Gebiete« deklarieren, so dass in Wohngebieten noch mehr und in Gewerbegebieten Wohnungen gebaut sowie Gebäude als Wohnraum genutzt werden dürfen. »Das neue urbane Gebiet soll das Miteinander von Wohnen und Arbeiten in den Innenstädten erleichtern und neue Möglichkeiten für den Wohnungsbau schaffen«, begründete Hendricks diesen Schritt.

Doch die Menschen, die bereits in solchen Gebieten wohnen, haben offenbar wenig Lust, dass dort noch mehr gebaut wird. So finden es zwar 59 Prozent okay, wenn Brachflächen bebaut werden und 57 Prozent, wenn Wohnungen in Gewerbegebieten entstehen. Doch lehnt es eine breite Mehrheit von 76 Prozent ab, wenn in ihrer Nachbarschaft nachverdichtet wird. 40 Prozent würden gegen eine dichtere Bebauung in ihrer Nachbarschaft sogar protestieren. Ein weiteres Viertel beantwortet diese Frage immerhin noch mit einem »Vielleicht«.

Es sind vor allem ältere Menschen, die eine nachträgliche Verdichtung ablehnen. So gaben 46 Prozent der 50- bis 59-jährigen an, gegen Bauarbeiten in der Nachbarschaft protestieren zu wollen. Bei den 18- bis 29-jährigen würde dies nur 31 Prozent auf die Straße locken.

Viele Menschen befürchten, mit dem Neubau in der Nachbarschaft nehme die eigene Wohnqualität ab. So sind zwei Drittel der Befragten dagegen, dass im Kampf gegen die steigenden Mietpreise geringere Lärmschutzwerte eingeführt werden. Auch sollte der Abstand zwischen den Gebäuden nicht verringert werden. Dies lehnen 62 Prozent ab.

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