Rettungskräfte agierten nach 
Spezialkonzept

Fast 800 Feuerwehrleute und Polizisten im Einsatz

  • Martin Kröger
  • Lesedauer: 2 Min.

Unmittelbar nach Eintreffen der ersten Schreckensmeldung um 20.02 Uhr am Montagabend vom Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin-Charlottenburg wurde Großalarm ausgelöst. Das angewandte sogenannte Konzept »Massenanfall von Verletzten« (MANV) liegt seit langem bei den Behörden für eine solche Situation mit vielen Verletzten bereit. Nach den Anschlägen der jüngeren Vergangenheit war es laut Berlins Landesbranddirektor Wilfried Gräfling vor kurzem noch einmal überarbeitet worden.

Nach dem Konzept wurden zunächst 230 Rettungskräfte von Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz an den Breitscheidplatz delegiert, die sich um die 52 Verletzten kümmerten. Zugleich wurden alle 39 Krankenhäuser mit Notaufnahmen in der Hauptstadt über die Lage unterrichtet. An allen drei bettenführenden Standorten der Universitätsklinik Charité etwa wurde parallel dazu der Katastrophenalarm ausgelöst. Hier wurden insgesamt 16 Patienten des terroristischen Lkw-Anschlags vom Breitscheidplatz untergebracht.

Zwei Patienten erlagen laut einer Mitteilung der Charité vom Dienstag ihren schweren Verletzungen. Acht Patienten, die ebenfalls mit schwersten Verletzungen eingeliefert worden waren, wurden am Dienstag weiter intensivmedizinisch betreut. Sechs Patienten erlitten zudem mittelschwere Verletzungen. Für die Opfer und ihre Angehörigen hat das Krankenhaus eine psychologische Betreuung eingerichtet. Auch am Breitscheidplatz waren nach dem Anschlag von Notfallseelsorgern die Telefonnummern des Berliner Krisendienstes verteilt worden.

»Die Rückmeldungen der Kliniken haben gezeigt, dass das System gut funktioniert. Ich danke allen Ärzten, Pflegekräften und den Besatzungen der Rettungswagen für ihren schnellen und professionellen Einsatz«, erklärte Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD), die sich zuvor selbst vor Ort bei den Klinikbelegschaften ein Bild gemacht hatte. Koordiniert wurde die Versorgung der Verletzten unter anderem in einem Krisenstab in der Senatsverwaltung für Gesundheit, der ebenfalls sofort nach Bekanntwerden der Attacke eingerichtet worden war.

Auch die Feuerwehr hatte nach Auslösung des MANV-Planes einen Stab eingerichtet. Wilfried Gräfling: »Das Konzept hat sich bewährt.« Feuerwehr und Polizei haben gut zusammengearbeitet, so Berlins Feuerwehrchef. Insgesamt 550 Polizisten unterstützten demnach die Rettungskräfte vor Ort, hielten unter anderem Rettungswege für die Rettungsfahrzeuge frei. Bei der Berliner Polizei wird der Spezialeinsatz fortgesetzt. Unterstützt von der Bundespolizei sollen die Sicherheitsmaßnahmen in der Hauptstadt erhöht werden. Dazu wurde ein Stab bei der Polizeiführung eingerichtet. »Meine Befehlsstelle bleibt besetzt«, sagte Polizeipräsident Klaus Kandt. Für Hilfesuchende steht unterdessen weiter der Berliner Krisendienst zur Verfügung, der an neun Standorten schnelle und qualifizierte Beratung bei psychosozialen Krisen anbietet.

www.berliner-krisendienst.de

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