Werbung

In Mosambik keimen Friedenshoffnungen

Renamo-Rebellen verlängern Waffenstillstand, stellen aber Forderungen nach politischem Einfluss und Integration ihrer Kämpfer

  • Christian Selz, Kapstadt
  • Lesedauer: 3 Min.

Die erbitterte Feindschaft dauert schon eine halbe Ewigkeit: In Mosambik bekämpfen sich die rechtsgerichteten Renamo-Rebellen und die linken Frelimo-Regierungen mit Unterbrechungen seit 1976. Der Bürgerkrieg nahm kurz nach der Unabhängigkeit des Landes von Portugal seinen Ausgang. 1992 wurde ein Friedensabkommen geschlossen, die Renamo wurde eine politische Partei, die allerdings in der Opposition verharrte. 2012 erklärte der Anführer der Rebellengruppe Renamo, Afonso Dhlakama, die Rückkehr zum bewaffneten Kampf.

Nun blüht die Hoffnung auf Frieden wieder auf. Dhlakama erklärte am vergangenen Dienstag, er habe den an Weihnachten ausgehandelten einwöchigen Waffenstillstand um zwei Monate verlängert. Vorausgegangen war dem Abkommen ein erneutes Telefonat zwischen Dhlakama, der gleichzeitig Oppositionsführer in Mosambik ist, und Staatspräsident Filipe Nyusi. Letzterer hatte den Renamo-Chef ursprünglich am zweiten Weihnachtsfeiertag angerufen, nach eigener Aussage um »frohe Feiertage« zu wünschen und zu erfahren »wie es geht«. Man habe sich dann jedoch länger über die Notwendigkeit von Frieden unterhalten, hatte Nyusi, der auch Vorsitzender der seit der Unabhängigkeit 1975 regierenden, ehemals sozialistischen Regierungspartei Frente de Libertação de Moçambique (Frelimo) ist, erklärt.

Regierung und Renamo hatten schon zu diesem Zeitpunkt erklärt, dass der Waffenstillstand ausgeweitet werden könne, wenn er von beiden Seiten eingehalten werde. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf eine anonyme »diplomatische Quelle« jedoch, dass Dhlakama geschwächt und in die Enge getrieben worden sei und keine andere Wahl gehabt habe, als die Waffenruhe auszurufen.

Die derzeitige Schwäche von Renamo muss jedoch nicht bedeuten, dass eine Einigung in dem 2013 wieder aufgebrochenen Konflikt in Sicht wäre. Die Renamo, einst in den 1970er Jahren von den rassistischen weißen Regimen in Südafrika und dem damaligen Rhodesien (dem heutigen Simbabwe) aufgebaut, um die zu dieser Zeit marxistische Befreiungsfront Frelimo zu schwächen, fordert für sich mehr politischen Einfluss - und damit verbunden auch eine Beteiligung am erwarteten wirtschaftlichen Aufschwung des Landes.

Den bewaffneten Kampf nahm die bei Wahlen stets deutlich unterlegene Oppositionspartei just dann wieder auf, als in Mosambik große Erdgasvorkommen entdeckt worden waren. Seit 2013 griffen Renamo-Kämpfer immer wieder Einrichtungen von Polizei und Militär an. Sie überfielen außerdem zivile Lastwagenkonvois und Züge und schwächten so die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. UN-Angaben zufolge sind 12 000 Menschen vor dem Konflikt ins benachbarte Malawi geflohen. Berichten westlicher Nichtregierungsorganisationen zufolge soll auch die mosambikanische Armee Menschenrechtsverletzungen gegen Zivilisten begangen haben.

Die Renamo verlangt eine Aufnahme ihrer Kämpfer in Polizei und Militär. Außerdem will sie die Regierungen der sechs Provinzen übernehmen, in denen sie 2014 die meisten Stimmen gewonnen zu haben glaubt. Den offiziellen Ergebnissen zufolge trifft das zwar nur auf fünf der zentralen Provinzen zu, über die Besetzung der Gouverneursposten wurde bei der Abstimmung aber ohnehin nicht entschieden. Innerhalb der Frelimo wird nun darüber gestritten, ob das Land dezentraler verwaltet und der Renamo Provinzregierungen zugestanden werden sollen. Während das Lager um Nyusi offenbar eine Verhandlungslösung bevorzugt, fordert der andere Teil der Regierungspartei jedoch nach wie vor die militärische Zerschlagung der Rebellenbande.

- Anzeige -

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.