Überstunden machen krank

Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin mit eindeutigen Befunden

  • Fabian Lambeck
  • Lesedauer: 3 Min.

Es gibt Behörden, von denen man selten etwas hört oder liest. So wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA), die ihren Sitz in Dortmund hat und die Bundesregierung »in allen Fragen von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit und der menschengerechten Gestaltung der Arbeitsbedingungen« berät. Bereits im vergangenen Jahr veröffentlichte die BAUA ihren »Arbeitszeitreport Deutschland 2016«, der auf Daten aus einer Befragung von mehr als 20 000 Beschäftigten fußt. Die Ergebnisse sind also durchaus repräsentativ und belegen vor allem, wie flexibel deutsche Arbeitnehmer bereits sind und welche gesundheitlichen Auswirkungen das schon heute hat.

So ergab die Befragung, die 2015 durchgeführt wurde, dass abhängig Beschäftigte im Schnitt 43,5 Wochenstunden arbeiten und somit »knapp fünf Stunden länger als vertraglich vereinbart«. Etwa 17 Prozent der Beschäftigten durchschnittlich arbeiten 48 Stunden und mehr in der Woche.

Längere Arbeitszeiten und Überstunden, so schreibt die BAUA, »gehen häufig mit Termin- oder Leistungsdruck, einer Überforderung durch die Arbeitsmenge sowie dem Ausfallen von Arbeitspausen einher«. Bereits ab zwei Überstunden würden »deutlich häufiger gesundheitliche Beschwerden genannt und mit steigender Überstundenzahl nehmen insbesondere körperliche Erschöpfung und Schlafstörungen zu«.

Etwa vier von zehn Beschäftigten haben selber großen Einfluss darauf, wann sie mit ihrer Arbeit beginnen und sie beenden oder wann sie ein paar Stunden frei nehmen (44 Prozent). Gleichzeitig erlebt mehr als jeder siebte Beschäftigte häufig und jeder vierte Beschäftigte manchmal kurzfristige Änderungen der Arbeitszeit aufgrund betrieblicher Belange. Zudem arbeiten etwa sieben Prozent der Beschäftigten auf Abruf.

Rund 43 Prozent der Befragten gaben an, mindestens einmal im Monat am Wochenende arbeiten zu müssen; mehr als die Hälfte von ihnen nicht am Sonnabend, sondern auch an Sonn- und Feiertagen. Dass zudem jeder fünfte angibt, weder einen Freizeit- noch einen finanziellen Ausgleich für die geleisteten Überstunden zu erhalten, sollte auch bei den Gewerkschaften die Alarmglocken schrillen lassen.

Die neuen Kommunikationstechniken ermöglichen eine ständige Erreichbarkeit. Dass die Arbeitgeber davon auch Gebrauch machen, zeigen die Befragungsergebnisse: 22 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Arbeitsumfeld von ihnen erwarte, »auch im Privatleben für dienstliche Angelegenheiten erreichbar zu sein«. Rund 35 Prozent werden auch tatsächlich in ihrer Freizeit kontaktiert. Es sind keinesfalls nur Führungskräfte, die im Stand-by-Modus sein müssen. Oft seien es auch Beschäftigte in einfachen Tätigkeiten, vor allem im Dienstleistungsbereich, von denen Erreichbarkeit im Privatleben erwartet werde.

Die gesundheitlichen Folgen bekommen die (Über-)Beschäftigten schnell zu spüren. Beschäftigte mit überlangen Arbeitszeiten erleiden »signifikant häufiger körperliche Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, Müdigkeit, Erschöpfung Schlafstörungen sowie Rücken- und Kreuzschmerzen«. Hingegen haben Beschäftigte in kurzer Teilzeit die wenigsten Beschwerden. »Werden mehr als zwei Überstunden pro Woche gemacht, geht die Zufriedenheit bereits deutlich zurück.« Die Ergebnisse lassen sich auf eine prägnante Formel bringen: Arbeit macht krank.

Kein Wunder, dass mehr als die Hälfte aller Vollzeitbeschäftigten laut Befragung die eigene Arbeitszeit reduzieren will. Im Schnitt sollen es zehn Stunden weniger sein. Hingegen ist seit langem bekannt, dass rund zwei Millionen Frauen, die derzeit in der »Teilzeitfalle« stecken, gerne länger arbeiten würden.

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