Neuseeland ist Zufluchtsort für Superreiche
Agentur für Politrisiken fürchtet eine »geopolitische Rezession«
Wenn es nach dem US-Politikwissenschaftler Ian Bremmer geht, ist die Welt dabei, in eine »geopolitische Rezession« zu rutschen. Ein unter Donald Trump »unabhängiges Amerika«, ein China, das überreagieren könnte, eine geschwächte Angela Merkel, das sind die Hauptrisiken, die Bremmers Agentur für Politrisiken, die Eurasia Group, für 2017 definiert hat. »Ich denke gerne, dass ich ein ziemlicher Optimist bin«, zitierte ihn der Wohlstandsbericht der internationalen Immobilienberatung Knight Frank. »Aber 2017 ist das bedeutendste Jahr in Bezug auf politisches Risiko seit dem Zweiten Weltkrieg«, warnte er.
Diese gefühlte globale Unsicherheit katapultiert vor allem die australasiatische Region derzeit verstärkt ins Rampenlicht. Laut des Wohlstandsberichts soll die Anzahl der extrem Reichen hier bis 2026 um 70 Prozent ansteigen und das nicht nur wegen der gesunden Wirtschaftsverhältnisse. Sondern vor allem auch, da sich Superreiche aus der ganzen Welt hier ein zweites Standbein aufbauen.
»Die anhaltende Migration wohlhabender Menschen nach Australien und Neuseeland trägt zum Wachstum der reichen Bevölkerung bei«, bestätigte Andrew Amoils von der Forschungsagentur New World Wealth. Dies werde auch in Zukunft so bleiben, nicht zuletzt, da die Region als eine Art »sicherer Hafen« gelte.
Vor allem Neuseelands Nord- und Südinsel, wo gerade mal viereinhalb Millionen Menschen leben, wird unter den Reichen derzeit als Zufluchtsort im Falle der »Apokalypse« gehandelt. Bloomberg, das Magazin »The New Yorker« und der »Guardian« haben in den vergangenen Wochen über reiche Technologieunternehmer berichtet, die sich für den Ernstfall wappnen.
Neuseelands geografische Isoliertheit - Auckland ist von der nächsten Großstadt, dem australischen Sydney, knapp 2200 Kilometer entfernt - macht es nicht gerade zu einem internationalen Angriffsziel. Und auch die innenpolitische Lage ist mehr als ruhig: Der langjährige Premierminister übergab ohne Skandal sein Amt an seinen Stellvertreter, damit dieser sich vor den Wahlen einen guten Namen machen könne, und eine parlamentarische Debatte wurde vor kurzem von Vertretern der Maori-Partei mit einem Lied - begleitet auf der Ukulele - beendet. Das gesamte Parlament klatschte begeistert Beifall.
Die Superreichen kaufen in Neuseeland hauptsächlich Bauernhöfe und Land im idyllischen Queenstown auf der Südinsel. Aber auch Firmen und Immobilien in Auckland ziehen Investitionen aus dem Ausland an. Allein in den ersten zehn Monaten 2016 wurden in Neuseeland vier Mal so viel Land und Immobilien von Ausländern aufgekauft wie noch im Jahr zuvor, so lokale Medien. Auckland zählt inzwischen 880 Multimillionäre mit einem Vermögen ab zehn Millionen Neuseeländischen Dollar (6,5 Millionen Euro) und 310 sogenannte Superreiche mit über 30 Millionen. Die Zahl soll bis 2026 auf 527 steigen.
Einer der Superreichen, der sich ein zweites Zuhause in Neuseeland geschaffen hat, ist der deutschstämmige Peter Thiel, ein erfolgreicher Silicon Valley-Unternehmer und Berater von US-Präsident Trump. Der PayPal-Gründer und Technologiemilliardär ist seit 2011 sogar neuseeländischer Staatsbürger. Und LinkedIn-Mitgründer Reid Hoffman bestätigte dem »New Yorker«, dass Thiel bei weitem nicht der einzige Neuseelandfan ist: Neuseeland zu erwähnen, sei im Silicon Valley inzwischen ein wenig wie ein Geheimcode.
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